2006-07-17

neulich mitten im Nirgendwo

Die moderne Technik hat es der Menschheit ermöglicht, die ungewöhnlichsten Orte zu erreichen: Den Mond, die Tiefsee - oder ein abgelegenes Feld mitten im Lipperland. Ich bin seit einigen Jahren begeisterter Nutzer eines GPS-Empfängers, der mich auf allen meinen Radtouren begleitet, und mir bei neuen Strecken zuverlässig den Weg weist. Seit GPS ein erschwingliches Hobby geworden ist, das nicht mehr allein Geologen/-graphen/-däten oder Militärangehörigen vorbehalten ist, hat sich eine regelrechte Subkultur entwickelt. Der Trend des Geocaching konnte mich noch sie so recht begeistern, aber als ich vor einigen Jahren über die Website des Degree Confluence Projects gestolpert bin war mir klar: Das machst Du auch mal. Konfluenzpunkte sind die Schnittpunkte der (ganzzahligen) Längen- und Breitengrade, von denen 33 Stück in Deutschland liegen. Bielefeld befindet sich zwar ziemlich genau auf dem 52. Grad nördlicher Breite, aber dummerweise mindestens so genau zwischen dem 8. und dem 9. Grad östlicher Länge. Der "Halbkonfluenzpunkt" innerhalb Bielefelds dürfte übrigens täglich von mehreren tausend Autos überquert werden. Also hat man als Bielefelder die freie Wahl, entweder den westlichen K-Punkt bei Warendorf oder den östlichen hinter Lemgo zu besuchen. Ich habe mich am Wochenende für letzteren entschieden. Nach ziemlich genau zwei Stunden gemütlichen Radfahrens (ich war extra früh gestartet, um der Mittagshitze zu entgehen) hatte ich den Ort Hagendonop erreicht. Die erste Frage war dann: Wo liegt jetzt der Konfluenzpunkt genau? Die Antwort ist schwerer, als man vielleicht zunächst denkt, trotz oder gerade wegen GPS. Denn die exakte Lage des Schnittpunkts hängt davon ab, welches Koordinatensystem man zugrunde legt. Geht man nach dem amtlichen deutschen System ("Potsdam-Datum" genannt), dann ist der Punkt netterweise durch einen kleinen Findling mit einer Plakette markiert.Zumindest so in etwa, mein GPS-Gerät war der Meinung, dass der Stein ein paar Meter vom richtigen Ort entfernt ist - ich hab' in aber trotzdem mal dort liegen lassen... Das in der GPS-Welt übliche Koordinatensystem nennt sich WGS84, und wenn man danach geht, wird der Konfluenzpunkt 52N/9E durch keinerlei Stein oder sonstiges markiert, sondern liegt mitten in einem Klee-Feld, rund 180 Meter von dem Findling entfernt. Auch sonst kommt der Ort einem nicht irgendwie besonders vor, und doch scheint er auch für andere Leute eine magische Anziehungskraft zu haben. Wenigstens einen weiteren Trampelpfad konnte ich erkennen (auf dem letzten Foto links zu sehen), ich war also anscheinend nicht der erste an diesem Tag, der erleben wollte, wie sämtliche Nachkommastellen auf dem GPS-Gerät auf Null springen. Während ich gerade so mittem im Klee stand, wurden zwei der Strohballen vom benachbarten Feld abgeholt, und ich rechnete schon mit einen Anpfiff, weil ich schliesslich Privatgrundstück betreten hatte. Aber vermutlich kannten die Besitzer das schon und hatten sich damit abgefunden, dass öfters irgendwelche Verrückten auftauchen, die aber im Grunde harmlos sind. Mal schauen, ob ich mir den anderen Konfluenzpunkt auch noch vornehme, oder ob das genug Aufregung für einen Sommer war. Auf alle Fälle werde ich noch ein wenig weiter mit Google Maps und der zugehörigen API experimentieren. Ich habe den Eindruck, dass man damit wirklich nette Sachen machen kann.

2006-07-08

Le Tour sans des drogues

Wer's glaubt wird seelig... Während heute in Stuttgart und morgen in Berlin zum letzten mal der Lederball über das Feld gescheucht wird, ist erst ein Drittel der Tour de France 2006 um. Und obwohl das Fahrerfeld bereits vor dem Start reichlich dezimiert wurde, dürfte es eine der interessantesten Schleifen seit Jahren werden - oder vielleicht gerade deswegen. Weil die (vermeintlichen) Favoriten fehlen, können sich jetzt plötzlich ganz andere Fahrer zeigen, die sonst nur Wasserträger gewesen wären. Und obwohl (endlich) einmal recht konsequent gegen Doping vorgegangen wurde: Wer glaubt, dass die Tour dieses Jahr damit sauber wäre, dürfte sich einer Illusion hingeben. Andererseits: Eine gewisse partielle Blindheit muss man wohl haben, sonst braucht man sich für (Profi-)Radsport garnicht erst zu interessieren. Was nicht heisst, dass man den Kampf gegen das Doping aufgeben darf - gerade auch als Fan sollte man den Wunsch nach einem sauberen Sport artikulieren. Daher verweise ich mal auf folgende Initiative: Fans gegen Doping - eine Initiative von Radsportfans Weswegen ich aber eigentlich schreibe: Ich hatte je bereits auf die Etappen-Beschreibung für Google Earth hingewiesen (die ich nochmal etwas nachgebessert habe). Mehr durch Zufall habe ich erfahren, dass man KML-Dateien auch mit Google Maps darstellen kann (jaja, ein Blick in die Doku hätte bestimmt weitergeholfen). Also das ganze nochmal für alle, die nicht jedesmal Google Earth starten wollen, wenn sie sich schnell mal die Strecken der Tour ansehen wollen: Hoffen wir auf eine spannende Rest-Tour ohne weitere Skandale. Und für alle, die dem Radsport nichts abgewinnen können und ab Montag unter Entzug leiden: Am 11. August geht die Bundesliga wieder los.

2006-06-25

Au cas où le football ne t'intéresse pas ...

Wir fahren nach Paris! Wir fahren nach Paris! Nein, nein, niemand ist im falschen Film. Nur während hier in Deutschland das WM-Fieber ungeahnte Ausmaße annimmt, läuft bereits der Countdown für das nächste sportliche Großereignis: Die Tour de France 2006. Und wer sich (vielleicht zu Recht) über den neuerwachten Patriotismus in unserem Land wundert, der müsste doch beruhigt feststellen, dass, abgesehen von der Hymne für den Gesamtsieger am letzten Tag, die Tour weitestgehend frei von nationaler Symbolik ist. Es gibt eben kein "Team Deutschland", das man bejubeln könnte, und das dem Rest der Welt zeigen muss, dass es besser ist. Am 1.7. geht es in Straßburg los, drei Wochen später geht es in Paris über die Ziellinie. Ich erwarte natürliche eine ausführliche Berichterstattung durch unseren Lokalreporter vor Ort! Und nachdem Lance Armstrong die Tour zu dem gemacht hat, was sie in den letzten sechs Jahren war (nämlich ziemlich langweilig), dürfen wir im Jahr 1 nach L.A. wirklich gespannt sein. So viele Anwärter auf die Titelnachfolge gab's schon lange nicht mehr. Und, bar jeglicher patriotischer Gründe, fände ich einen erneuten Sieg von Jan Ullrich natürlich nicht schlecht. Er scheint dieses Jahr in einer guten Form zu sein, wenn man den Gewinn des Einzelzeitfahrens beim Giro d'Italia und den Gesamtsieg der Tour de Suisse betrachtet. Aber wie eine alte Tour-Weisheit sagt: "Das Classement wird in Paris gemacht." Und auch in diesem Jahr kann man sich die Tour der Leiden wieder wunderbar mit Hilfe von Google Earth näher ansehen. Wie schon im letzten Jahr habe ich die Etappen-Daten, die die ARD netterweise bereitstellt, mit ein paar (mehr) Zeilen Perl in KML konvertiert. Das Ergebnis kann man als handliche KMZ-Datei herunterladen. Auf den Bildern sind die Brecher der diesjährigen Schleife zu sehen: Der Col de Sourdet und der Col de Tourmalet in den Pyrenäen, und der Col d'Izoard in den Alpen. Wer all das hinter sich gelassen hat, kann dann noch ein paar gemütliche Runden in Paris drehen, immer über den Champs-Élysées, den Place de la Concorde um und die Jardins des Tuileries herum. Bei Google Earth hat sich übrigens erneut einiges getan. Zum einen gibt es eine Beta-Fassung der nächsten Version, diesmal auch für Linux. Und nachdem Deutschland (naja, fast ganz Deutschland) hochauflösend betrachtet werden kann, sind nun nochmal etliche Gebiete weltweit hinzugekommen, in denen man nun auf Entdeckungsreise gehen kann. Und wenn man weiss, wo man suchen muss... Auf dem einen Bild sieht man eine Errungenschaft der Sowjetunion der 1960er Jahre, ein Ekranoplan, ein Bodeneffektfahrzeug. Von westlichen Spionen wurde es liebevoll "Caspian Sea Monster" getauft, da sich zunächst niemand vorstellen konnte, was ein derartig riesiges Flugzeug mit lächerlich kurzen Stummelflügeln darstellen sollte. Nun wartet es in Kaspiysk auf bessere Zeiten. Das andere Bild stammt auch aus der ehemaligen Sowjetunion, und zeigt den "Kampf gegen den Terrorismus" nach russischer Lesart. Die Aufnahme zeigt Häuser in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, die vermutlich im ersten Krieg 1995 zerstört wurden. Aber auch viele andere Orte kann man nun erkunden, sei es das Radioteleskop von Arecibo auf Puerto Rico, das Kosmodrom von Baikonur oder die Europäische Südsternwarte. Übrigens kann man sich von vielen Wikipedia-Artikeln mit Ortsbezug sehr bequem entweder zu Google Maps durchklicken, oder einen passenden placemark für Google Earth on-the-fly erzeugen lassen.

2006-05-31

Familienleben

Irgendwie gibt's derzeit nicht viel zu berichten. Daher habe ich mir überlegt: Wenn schon Java- und XML-Koryphäen wie Elliotte Rusty Harold sich nicht zu schade sind, von ihrem Hobby "Birding" zu berichten, dann kann ich das auch. Ich würde es zwar nicht direkt als Hobby bezeichnen, aber in den letzten Tagen bin ich doch öfters Richtung Obersee gegangen, um mal ein wenig abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. (Und eine gewisse Affinität zu Wasservögeln können bestimmte Mit-Blogger ja auch nicht verheimlichen :) Im Augenblick lohnt es sich nämlich zuzuschauen, wie das Leben dort regelrecht explodiert. Obwohl sie hier eigentlich garnicht zueine Familie Kanadagänse Hause ist, trifft man die Kanadagans (Branta canadensis) inzwischen regelmäßig in Parks und an Seen an. Dass es der Bielefelder Population anscheinend gut gefällt erkennt man daran, dass dieses Jahr gleich zwei Familien ihren Nachwuchs aufziehen. Ein Paar kümmert sich um Kanadagänse auf dem Wasseracht inzwischen Halbstarke, ein anderes hat zwei etwas jüngere Küken. (Gestern waren es noch drei. Ich fürchte, da hat sich die Natur kurz von ihrer gnadenlosen Seite gezeigt.) Und während ich ja so meine Probleme mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen hatte, scheint das in dieser Familie einwandfrei zu klappen. Nicht ganz so exotisch ist der Nachwuchs diverser Stockenten-Paare (Anas platyrhynchos). Leider war das Licht schon zu schlecht, um gute Aufnahmen machen zu können. Und mitten auf dem See, weit jenseits des Bereichs, den meine Kamera erfassen könnte, scheint eine Reiherente (Aythya fuligula) zu brüten. Auch sonst tummeln sich am Obersee regelmäßig Gäste aus fernen Ländern. Auf dem einen Foto meine ich eine Nilgansvermutlich eine Nilgans (Alopochen aegyptiacus) erkennen zu können, sicher bin ich mir aber nicht. Ich habe mich schon bei anderen Wasservögeln am Obersee vertan und sie für tolle Exoten gehalten, und hinterher haben sie sich dann einfach als geflüchtete Zucht-Enten herausstellten. Dafür bin ich mir aber ziemlich sicher, im letzten Jahr eine Streifenganseine Streifengans (Anser indicus) erwischt zu haben. Allerdings dürfte auch sie laut Wikipedia vermutlich nicht freiwillig aus ihrer angestammten Heimat nach Ostwestfalen gekommen sein. Ich weiß noch, als das Tier plötzlich vor mir stand, und ich dachte: "Moment einmal, die hast Du doch schonmal gesehen!" Zuhause schnell die DVD von "Nomaden der Lüfte" herausgekramt und tatsächlich, das war die Art, die auf ihrer jährlichen Wanderung den Himalaya überfliegt. P.S.: Um kurz auf mein Familienleben einzugehen: Ich möchte die Gelegenheit nutzen, meinem Vater zum heutigen Geburtstag zu gratulieren. Dass ich mich überhaupt ein wenig für die Natur um mich herum interessiere, habe ich ihm zu verdanken. Ich weiß garnicht, wie oft ich als kleiner Junge mit ihm durch's Oppenweher Moor gestiefelt bin, auf der Suche nach Libellen, Vögeln, Fröschen, Kröten und sonstigem Getier. Ohne diese Prägung (pun intended) wären das da oben vermutlich für mich nur irgendwelche "Enten oder sowas", an denen ich achtlos vorbeilaufen würde.

2006-04-30

neulich in Bielefeld: Nachtansichten 2006

Siehe auch meinen Bericht zu den Nachtansichten 2007! Diesen Samstag fanden erneut die Nachtansichten in Bielefeld statt, und nachdem mir letztes Jahr die Idee recht gut gefallen hatte, sich in einer Nacht durch die lokale Kultur zappen zu können, wollte ich mir das dieses mal natürlich nicht entgehen lassen. Auch von dem deutlichen schlechteren Wetter und der kurzfristigen Absage meiner Begleitung lies ich mich nicht abschrecken... Los ging es im Historischen Museum. Die zwar recht überschaubare, aber dennoch sehr interessante Ausstellung "Burgen - Geheimgänge - Zauberei" erklärt, wie die Menschen, seitdem sie sesshaft geworden sind, ihre Wohnungen und ihr Hab und Gut zu schützen versuchen (der Titel der Ausstellung ist also nicht ganz passend). Das betrifft einerseits Türen, Schlösser, Geheimfächer und Tresore, andererseits aber auch Hausgeister und ihre Besänftigung und anderen (Aber-)Glauben. Abgerundet wird das ganze durch Informationen der örtlichen Polizei, wie man seine eigene Wohnung schützen kann. In dem Kontext vermisst habe ich natürlich jegliche Information zum Entsperren von Schlössern. Eine entsprechende Vorführung würde sicherlich auch so manchen Zuschauer erst erstaunen und dann erschrecken. Auf den folgenden Stationen wurde mir klar, was ich immer schon geahnt habe: Mir fehlt einfach der Bezug zur bildenden Kunst. Im Lichtwerk neben dem Historischen Museum war eine kleine Ausstellung, und (nach einer Fahrt mit dem Nachtansichten-Shuttle) war ich kurz beim WDR, um mir die Ausstellung "ModeMachtMenschen" anzusehen. Den Titel fand ich deswegen recht spannend, weil ich an meinem neuen Arbeitsplatz natürlich auch die Aufteilung der Menschheit in zwei Gruppen beobachten kann: Solche, die sich die Sauerstoffzufuhr mit Hilfe von bunten Tüchern abschneiden, und solche, die das bleiben lassen. Einen Diskurs zu diesem Thema hätte ich ausgesprochen spannend gefunden. Stattdessen waren Arbeiten des Bereichs Gestaltung/Mode der FH Bielefeld ausgestellt (die sicherlich nicht schlecht waren, meiner Meinung nach aber nur bedingt einen Bezug zum Titel der Ausstellung hatten), und Werbeplakate aus den letzten Jahrzehnten, über die man heute schmunzeln kann. Irgendwie sprach mich das nicht wirklich an. Also weiter ging es, zu Fuß die Kreuzstraße entlang, kurz in der Neustädter Marienkirche vorbeigeschaut, und in's Naturkundemuseum. Auch hier fand ich die Ausstellung im oberen Stockwerk eher ernüchternd: Ein Labyrinth aus von der Decke hängenden Leinenbahnen, mit Rätseltexten, deren Lösung verschiedene Naturprodukte (Getreidekörner, Wachs, usw.) waren, die man dann in dazugehängten Beuteln ertasten konnte. Das war auch wieder mehr Kunst als Information, und außerdem für einen größeren Publikumsauflauf völlig ungeeignet. Das war also alles noch nicht wirklich prickelnd. Eigentlich wollte ich auch nur die Zeit überbrücken zum ersten festen Termin, den ich mir vorgenommen hatte: Um 20 Uhr sollte die Big-Band der Universität Bielefeld im Bunker Ulmenwall spielen. Wegen Uni-Band war wohl 20 Uhr c.t. gemeint, und dank "Bielefelder c.t." ging es dann auch erst um etwa 20:20 Uhr los. Bei der etwas längeren Wartezeit wurde mir auch wieder klar, warum ich Kneipen und ähnliche Menschenaufläufe nicht mag. Wann wird Deutschland in den Kreis der zivilisierten Länder aufgenommen, und ein Rauchverbot an solchen Orten eingeführt? Wie dem auch sei, das Konzert begann mit der Warnung, dass die Lokalität klein, die Decke niedrig und die Band relativ groß (ca. 20 Musiker) sei. Man werde versuchen, sich zurückzunehmen, aber es könne schon mal etwas lauter werden. Na gut, so lange die Musik dazu passt, soll mir das recht sein. Und in der Hinsicht wurde ich wirklich nicht enttäuscht. Seit meiner Schulzeit finde ich Big-Band-Musik richtig gut, vor allem wenn man merkt, dass da keine Profis spielen, sondern Hobby-Musiker, die das aus Spaß an der Freude machen. Da darf ein Solo auch schon mal etwas schräg klingen, oder der Einsatz verpatzt werden. Egal, Hauptsache die Stimmung ist super. Nach der ersten Hälfte des Konzerts, und nachdem ich mich aus der Enge des Bunkers gewunden hatte, ging es in Richtung des zweiten festen Termins. Wie schon im letzten Jahr wurde in der Altstädter Nicolaikirche indische Musik dargeboten (wieder von den Herren Ammermann/Sitar und Gründling/Tabla). Und wie schon im letzten Jahr das gleiche Spiel: Leute kommen mitten im Konzert, setzen sich geräuschvoll hin, hören zwei Minuten zu, und gehen wieder, weil ihrer Meinung nach nichts passiert. Ich glaube, ausser mir haben vielleicht ein Dutzend weiterer Zuhörer die komplette Stunde "durchgehalten". Im Anschluß habe ich mir noch die Fotoausstellung von Igor Kostin zum Thema Tschernobyl angesehen. Auf den Bildern war die Arbeit der Liquidatoren zu sehen (ohne die sich vermutlich noch viel mehr radioaktives Material über Europa verteilt hätte), und das Leben der Leute, die die Region um den Reaktor nicht verlassen wollten oder konnten. Diese Fotos haben mich sehr bewegt, vielleicht weil sie eben die Realität zeigten, und keine Kunst (im Sinne von "künstlich") waren. Die nächste Station war der der Alte Markt, wo das Duo "Lauschgold" (E. Huber/Harfe und M. Eisenreich/Violine) der Kälte trotzte. Wer immer auf die Idee kam, zwei Saiten-Instrumentalistinnen im April in Bielefeld auf einer offenen Bühne zu präsentieren, sollte dort zur Strafe eine Woche im Zelt campieren. Auch die aufgestellte Gaslampe dürfte die Temperatur nur wenig angenehmer gemacht haben. Die beiden nahmen es mit bairischem Humor und brachten irischen Folk, jiddischen Klezmer und amerikanischen Swing, dass man die Kälte bald vergessen hatte. Der letzte Abstecher auf dem Weg nach Hause war dann die Süsterkirche. Das war im letzten Jahr für mich der absolute Geheimtipp. Dieses Jahr war die Musikauswahl allerdings etwas konservativer, und ich habe mir nur eine Gruppe angehört. "Ellijora und Freunde", ein achtköpfiger gemischter Chor, sang u.a. zwei Stücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das ist zwar nicht unbedingt mein Musik-Stil, aber es passte einfach, um den Abend ausklingen zu lassen. Nach einem etwas holprigen Start haben sich die Nachtansichten wieder einmal richtig gelohnt. Ich bin schon gespannt auf das nächste Jahr, dann zur Abwechslung vielleicht mal wieder mit trockenem Wetter und Temperaturen um die 20 Grad.

2006-04-23

Stupid AJAX Tricks

Ich war vor einiger Zeit über etwas verschlungene Umwege auf ein Film-Quiz gestoßen (eigentlich sind's ja zwei). Abgesehen davon, dass ich erschreckend viele Filme nicht erkannt habe, dachte ich mir: Das muss man doch auch selber machen können. Da ich aber einerseits noch nie mit ECMAScript (besser bekannt als JavaScript) programmiert habe, andererseits einmal AJAX ausprobieren wollte, entwickelte sich folgender Plan: Gerade so viel JavaScript auf Client-Seite wie nötig (und ein guter Teil ist aus^H^H^Hvon der obigen Vorlage gekl^H^H^H^Hangeregt), und den Rest auf der Server-Seite machst Du klassisch in Perl. Was soll ich sagen: Es scheint funktioniert zu haben. Hier also meine beiden Film-Quize:
Film-Quiz Nummer 1 Film-Quiz Nummer 2
Im Gegensatz zu den oben erwähnten Vorlagen werden die Eingaben erst überprüft, wenn man "Return"/"Enter" (meinetwegen auch die "Eingabetaste") drückt. Die Eingabe wird dann asynchron an den Server geschickt, mit der richtigen Antwort verglichen, und ob Ihr recht habt oder nicht, sagt Euch dann das Licht. Eigentlich handelt es sich dabei genaugenommen um AJAT oder AJAA, denn statt XML wird einfacher Text hin- und hergeschickt, aber das scheint auch nicht weiter zu stören. Nach einigen Anfangsproblemen sollten die Seiten mit Firefox, Opera und dem Internet Explorer funktionieren. Konquerer/Safari konnte ich nicht testen, Kommentare zu sonstigen Kompatibiltätsproblemen sind willkommen. Und: Ja, die Seiten könnten natürlich noch etwas gestylt werden. Es ging mir erstmal um die Technik... Update: Die Seiten sehen zwar jetzt nicht viel besser aus, aber immerhin sind auch sie jetzt komplett Tabellen-befreit. Aber CSS und ich werden wohl nie wirklich dicke Freunde werden. Und dass der Internet Explorer das Scoreboard nicht rechts oben in der Ecke fixiert, dafür kann ich auch nix. Pech für alle diejenigen, die dem falschen Browser vertrauen... Dafür gibt es jetzt noch ein drittes Quiz, das, so hoffe ich, deutlich schwerer ist als die beiden anderen ist. Achja: In der IMDB spicken gildet nicht, damit ist das ja viel zu einfach.

2006-04-07

¡Mi nuevo trabajo!

Es war ja von Anfang an klar, dass mein Gastspiel in der Genetik nur von kurzer Dauer sein würde. Die Suche nach Projekten, die ich einerseits in der Zeit gut abschließen konnte, mit denen ich aber andererseits keinen größeren Schaden anrichten würde, führte schließlich dazu, dass ich mich mit dem Thema "Content Management Systeme" auseinandergesetzt habe. Der von mir am Ende präferierte Kandidat (der im eigentlichen Sinne überhaupt kein CMS ist), war dann Zope. Mir persönlich gefiel diese Lösung deutlich besser als all die anderen Systeme, die derzeit hip und en-vogue sind. Wenn ich irgendwann mal dazu komme, werde ich definitiv Python lernen und mich weiter damit beschäftigen. Ob die Genetik jemals ein CMS auf dieser Basis erhalten wird, das ist ein ganz anderes Thema... Von der parallel stattfindenden Job-Suche hatte ich ja schon etwas erzählt. Um's kurz zu machen: Der Job bei Frankfurt war nix (beide Seiten haben sich eine Woche später gegenseitig bestätigt, dass sie den jeweils anderen zwar ganz toll fänden, beruflich aber keine gemeinse Zukunft sehen). Dafür hätte ich in Basel nach einem zweiten Besuch Anfang März sofort anfangen können. Habe ich dann aber doch nicht. Etwa genau zu der Zeit fragte nämlich ein Bekannter (tststs, wenn Martin jetzt eine Web-Seite hätte, könnte ich ja einen link setzen) nach, ob mich ein Kollege von ihm wegen eines Stellenangebots kontaktieren könne. Klar, warum nicht. Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt seit einer Woche bei Telefónica in Verl arbeite, in der Abteilung von Peter Dräxler. Und mit Jens-Olaf im gegenüberliegenden Büro ist noch ein weiterer Ex-UniBi-ler und NWIler dabei. Aber das war's dann auch schon an "bekannten" oder "gewohnten" Dingen. Bisher war DSL für mich einfach ein Kabel, das aus der Telefondose kommt. So gaaaaanz langsam beginne ich zu verstehen, was am anderen Ende der Leitung passiert. Diese Woche war dermaßen voll mit neuen TLAs, ETLAs und XETLAs, dass mir ziemlich der Schädel brummt. Und wenn dann noch Telco-Englisch und Telekom- bzw. Bundespost-Deutsch aufeinanderprallen... Zum Schluss der Woche wurde es dann insofern nochmal spannend, als sich der neue Partner (hmm, ich lass den Begriff erstmal so stehen) von Telefónica vorstellte: O2 (can do, ganz genau). Mal schauen, wie sich das Unternehmen in den nächsten Monaten weiterentwickelt. Genug Arbeit scheint es auf alle Fälle zu geben.

2006-04-03

neulich im Kino: "Havanna Blues"

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Das Lichtwerk ist umgezogen und hat jetzt im Ravensberger Park ein neues, altes Gebäude gefunden, die "alte Tischlerei". Im Vergleich zu den örtlichen Cineplexen ist das Ambiente deutlich angenehmer. Und auch das Publikum unterscheidet sich merklich. Ich weiss nicht, aber ich kann gut darauf verzichten, durch knöcheltiefes Popcorn waten zu müssen, nur weil sich einige Leute nicht benehmen können... Und wie es sich für ein Kino gehört, das etwas abseits vom Mainstream arbeitet, kann man hier jede Menge Filme ergattern, die man in den oben erwähnten Film-Fabriken nicht zu sehen bekommt. So habe ich mir am Wochenende "Havanna Blues" angesehen. Vordergründig geht es um eine junge, aufstrebende Band in Kubas Hauptstadt, die mit Hilfe einer spanischen Plattenfirma eine steile Karriere starten könnte. Genaugenommen ist der Film aber ein unglaublich interessantes Portrait der (jungen) Bevölkerung Kubas, die einerseits all die Probleme des Landes wahrnimmt und täglich darunter leidet, die aber andererseits ihrer Heimat nicht einfach den Rücken kehren will. Der Deal mit der Plattenfirma funktioniert nämlich nur, wenn die Musiker in den USA als arme, ausgebeutete Flüchtlinge herumgereicht werden können. Das sehen einige einerseits als Verrat an der Heimat an, würde ihnen aber vor allem die Heimkehr unmöglich machen. Der Zuschauer darf bis zum Schluss des Films gespannt sein, wer sich wie entscheidet. Meiner Meinung nach gelingt dem Film der schwierige Spagat, unparteiisch zu bleiben. Jeder Akteur, und letztendlich auch der Zuschauer, muss selber entscheiden, wie er die Situation auf Kuba einschätzt und welche Konsequenzen er daraus zieht. Ich finde es wirklich erstaunlich, dass der Film auf Kuba (und damit sicherlich mit Duldung der Regierung) gedreht werden konnte. Wer will, kann die Politik in dem Film auch einfach ausblenden. Während "Buena Vista Social Club" der Musik der 50er Jahre ein verdientes Forum verschaffte, bekommt man hier ein breites Spektrum der aktuellen kubanischen Musikszene gezeigt. Alleine dafür ist der Film einen Besuch wert. Wer das Lichtwerk und/oder eine andere Ost-/West-Komödie sehen will: Laut Vorschau läuft demnächst "Alles ist erleuchtet". Beinahe hätte ich den Hauptdarsteller ohne spitze Ohren nicht erkannt. Nein, nicht den, sondern den...

2006-03-28

The Wizards Strike Back

Wie hieß der Film nochmal, von dem ich hier neulich erzählte? Richtig: "The Heralds of Resource Sharing". Und weswegen ist der Film von Google Video verschwunden? Richtig: Wegen "Copyright Violation". Wenn das nicht Ironie ist... Netterweise wurde ich von einem Leser darauf hingewiesen, dass es Leute gibt, denen die juristischen Spitzfindigkeiten anderer Länder ziemlich egal sind. Der Film ist (derzeit) bei Ihrem freundlichen Hacker um die Ecke zu finden. Es bleibt jetzt nur die Frage: Hätte mich der Leser nicht per EMail darauf hingewiesen, sondern per Kommentar in diesem Blog, wäre ich dann schneller ein Opfer der "Lex Heise" geworden, als ich "negative Feststellungsklage" tippen kann? IANAL, und das ist wohl auch gut so.

2006-03-24

Die OWL-Verschwörung

SIE haben wieder zugeschlagen! Und diesmal haben SIE Google bzw. Google Earth unterwandert! Google Earth wurde heute um hochauflösendes Kartenmaterial für Deutschland erweitert. Wie es in der Erklärung heißt: "We now have almost all of Germany covered in high-resolution, ...". Und tatsächlich kann man sich viele Dinge in einer nie gekannten Auflösung anschauen. Hier ein paar Beispiele: Universität Bielefeld Forschungszentrum Jülich Flugplatz Gütersloh Paderborn Lippstadt Da ein zentrales Thema dieses Blogs einmal "Schule" war, habe ich mich auf die Suche nach meinen ehemaligen Bildungsstätten begeben: Grundschule Oppenwehe Söderblom-Gymnasium Espelkamp Und dann wollte ich mir natürlich meine Schule ansehen. Doch, welche Enttäuschung: irgendwo auf diesem Bild ist das Städtische Gymnasium Steinheim Leider betrifft das "almost" aus der Presseerklärung ziemlich genau OWL bzw. den Kreis Lippe. ganz OWL ist umzingelt von hochauflösenden Aufnahmen Warum? Warum hier?? Warum wir??? Was haben wir IHNEN denn bloß getan? Aber noch gibt es ja den GeoServer NRW, der all die Daten bereit hält, die man in Google Earth vermisst. Noch, bis SIE auch ihn unter ihre Kontrolle gebracht haben...

2006-03-19

The Return of The Wizards Who Stay Up Late

Kaum zu glauben, aber es ist schon wieder 10 Jahre her, dass Katie Hafner und Matthew Lyon in dem Buch "Where Wizards Stay Up Late" von den Anfängen des Internets erzählten (die deutsche Übersetzung hat den etwas gewöhnungsbedürftigen Titel "ARPA Kadabra"). Obwohl das Buch einige Kritik einstecken musste (von Leuten, die dabei waren), so ist es doch eine spannend erzählte Geschichte darüber, wie Ende der 1960er, Anfang der 1970er das ARPANET entstand - um nicht zu sagen: Von enthusiastischen Wissenschaftlern und Studenten zusammengelötet wurde. Und gerade passend zum 20. Geburtstag der IETF wurde ein Dokumentarfilm ausgegraben und über Google Video zur Verfügung gestellt, der sozusagen der Film zum Buch ist. 1972 enstand "Computer Networks: The Heralds of Resource Sharing", und es treten viele der wichtigen Protagonisten auf: J.C.R. Licklider erzählt die Rahmenhandlung, Bob Kahn beschreibt, wie IMPs das Rückgrat des Netzes bilden, und Frank Heart und Larry Roberts zählen die Vorteile einer Vernetzung auf. Spannend finde ich vor allem, dass Licklider das ganze Projekt nicht einfach nur als technische Herausforderung ansieht, sondern er schon recht plastisch die Vision einer Welt beschreibt, in der Informationen für alle leicht zu erreichen sind und auf diesem Wege Menschen auf eine völlig neue Art zusammen arbeiten und Gedanken austauschen können. Vor allem die Idee des freien Zugangs zu den Informationen ist meiner Meinung nach deutlich herauszuhören. Er hat wohl nicht mit den Institutionen gerechnet, die das etwas anders sehen... Ach ja: Um Minute 16 herum sieht man einen jungen Mann an einem Terminal sitzen. Eigentlich kann's vom Alter her nicht passen, aber ich könnte schwören, dass das Larry Wall ist. Hier ein Fahndungsfoto zum Vergleich. Sachdienliche Hinweise werden im Kommentarbereich dieses Blogs entgegengenommen. Update: Nein, es ist nicht Larry Wall. Wenn man sich den Einlog-Vorgang genauer ansieht, erkennt man, dass dort das Utah TENEX verwendet wird, und sich ein Benutzer "Murphy" anmeldet. Ein wenig gegoogle liefert dann eine Übersicht des ARPANETs von 1972, und die beiden hosts bei BBN gehörten Dan Murphy. Die Suche noch etwas verfeinert, und man landet schließlich auf seiner aktuellen homepage. Er war bei BBN für die Entwicklung von TENEX auf der PDP-10 verantwortlich, das er später bei DEC (heute HP, zwischenzeitlich mal Compaq) zum Betriebssystem TOPS-20 weiterentwickelt hat. Damals, als hardware noch diese Bezeichnung verdiente. Auch wenn's eine andere Baustelle ist, aber besonders schön finde ich ja das Schicksal dieser alten VAX... Update 2: Google Video trägt das Label "Beta" wohl zu recht. Leider liefert der obige Link derzeit (22.3.2006) eine Fehlermeldung, aber keinen Film. Vielleicht haben zu viele Leute auf einmal darauf verlinkt, oder es hat sich doch noch ein Rechteinhaber gefunden, der was gegen die Veröffentlichung hatte. Daher als schwacher Trost der Verweis auf die zugehörige Seite auf Wikipedia. Update 3: Inzwischen ist der Film wieder bei Google Video aufgetaucht, aber unter einer anderen ID. Und siehe auch meinen Folge-Artikel zu diesem Thema.

2006-02-23

Ketten-Blog-Massaker

Nee, is' klar... Das musste ja irgendwann mal kommen: Kettenbriefe in Blogs. Unter dem Begriff "Medienstöckchen" kursiert derzeit anscheinend der Trend, von einem Blogger mit der Beantwortung von ein paar Fragen beauftragt zu werden, und diesen Auftrag dann an vier weitere, noch völlig ahnungslose Opfer weiterzugeben. Immerhin dürfte das noch eine Weile so weitergehen, solange das Moore'sche Gesetz für Blogs gilt. Und nun ist mir von Vella das Stöckchen zugeworfen worden. Es werden zwar keine Sanktionen angedroht, wenn man die Kette abreissen lässt, aber na gut... Here are the results of the Icelandic jury: Vier Jobs, die ich in meinem Leben hatte:
  1. Zivildienstleistender in einer Werkstatt für psychisch Behinderte
  2. Systemadministrator
  3. Referendar
  4. Arbeitsloser
Vier Filme, die ich immer wieder anschaue: (nicht nur Filme im engeren Sinne, und nicht ständig, aber doch hin und wieder)
  1. Findet Nemo
  2. Le Fabuleux destin d'Amélie Poulain
  3. The One Where No One's Ready (Friends Season 3, Folge 2)
  4. The Sting (Futurama Season 5, Folge 9)
Vier Orte, an denen ich gelebt habe:
  1. Oppenwehe
  2. Jöllenbeck
  3. Vilsendorf
  4. schauen wir mal ...
Vier TV-Sendungen, die ich gerne anschaue:
  1. Schillerstraße
  2. Sendung mit der Maus
  3. Tiere vor der Kamera
  4. Löwenzahn
Vier Plätze, an denen ich mal Urlaub gemacht habe: (die korrekte Antwort wäre eigentlich: im Garten, im Haus und auf dem Fahrradsattel, daher nenne ich Orte, wo ich schonmal "dienstlich" oder aus anderen Gründen war - und die ich mir vielleicht irgendwann mal wieder ansehen könnte)
  1. Barcelona
  2. Norderney
  3. Pokljuka (Slowenien)
  4. Morbach (Hunsrück)
Meine vier Lieblingsgerichte:
Hier verweigere ich einfach mal die Aussage ...
Vier Webseiten die ich täglich besuche:
  1. Google
  2. heise Newsticker
  3. Slashdot
  4. Google News (nachdem Yahoo News neulich umstrukturiert wurde)
Vier Orte, an denen ich in diesem Moment gerne wäre:
  1. kurz vor der ersten Million
  2. kurz nach der zweiten Million
  3. auf dem Mond
  4. woanders
Vier Blogger, denen ich dieses Stöckchen hinwerfe:
  1. Paul, aka mudd1
  2. Stulle
  3. -- zu vermieten --
  4. -- this space for rent --

2006-01-23

Reise Reise

Es gibt Sätze, da denkt man, die würde man nie im Leben sagen. Heute habe ich bei meinen Eltern angerufen und gesagt: "Ich bin in Mannheim - schon wieder!" Wie konnte es dazu kommen? Völlige Desorientierung? Landflucht? Oder ist Mannheim vielleicht der Nabel der Welt? Der gleichermaßen geneigte wie regelmäßige Leser wird sich erinnern, dass ich mich ja gerade beruflich umorientiere. Und dieses verlängerte Wochenende ging für zwei Vorstellungsgespräche drauf. Details werden an dieser Stelle aus taktischen Gründen natürlich nicht verraten, aber wen's interessiert kann mich gerne ausserhalb des Blogs fragen, und einige Kollegen werde ich sicherlich von mir aus damit behelligen. Freitag war ich in der Nähe von Frankfurt, und weil das Unternehmen dann doch etwas ausserhalb des Bereiches lag, der gut per ÖPN/FV zu erreichen ist, nahm ich das Auto. Und wenn man schonmal in der Nähe von Frankfurt ist, dann ist Mannheim auch nicht mehr wirklich weit weg (zumindest aus Sicht von Bielefeld). Vor allem war es aber schon Abend, als das Gespräch zu Ende war, und da ich Barbara (die ich Babsi nennen darf, und bei der ich bis heute nicht verstanden habe, ob sie bei SAP für IBM oder bei IBM für SAP arbeitet - nur, dass sie ganz viele Chefs hat, fast mehr als Kollegen :) schon seit Ewigkeiten mal besuchen wollte, habe ich mich quasi selber bei ihr eingeladen. Ich glaube, sie ist eine viel bessere Gastgeberin als ich ein Gast bin. Noch mal vielen Dank und schöne Grüße. Wir sind ein wenig durch die Mannheimer Quadrate geschlendert, eine wirklich faszinierende Gegend (der Artikel bei Wikipedia ist fast genauso lang wie der zum Thema Relativitätstheorie, und die versteht ja schon kaum jemand), und waren anschließend lecker essen. Am Samstag habe ich mich dann wieder auf den Rückweg gemacht. Am Montag hatte ich dann das nächste Gespräch, diesmal in Basel. (Bei genauerer Betrachtung hätte ich das vielleicht auch alles in einer Tour erledigen können, aber die gesparte Zeit wäre dann bestimmt für das Auseinandersortieren der Fahrtkostenabrechnungen draufgegangen...) Da das Gespräch am frühen Morgen veranschlagt war, bin ich am Sonntag gemütlich mit dem Zug gen Süden gefahren. Als ich am Abend ankam und mein Hotel gefunden hatte, bin ich noch ein wenig in der Nähe des Hotels herumgelaufen. Eigentlich dachte ich, ich hätte am nächsten Tag ein wenig Zeit für die Stadt. Vor allem, weil Basel über ein sehr dichtes Tram-Netz verfügt, und ich vom Hotel sogar ein mobility-Ticket bekam. Leider ... nein, "leider" ist das völlig falsche Wort ... auf alle Fälle hat das Gespräch deutlich länger gedauert, als ich erwartet hatte, und ich musste sogar meine Rückfahrt um eine Stunde nach hinten verschieben. So habe ich von Basel kaum etwas gesehen, und ich habe von meinen 100 SFr. (weniger wollte mir der Geldautomat nicht auszahlen) kaum etwas ausgegeben (obwohl, wenn ich das, was ich hier, nein hier, bezahlt habe, in Euro umrechne...). Zu guter Letzt hatte ich auf der Rückfahrt einen unerwarteten Zwischenstopp mehr - genau: in Mannheim, weil ich dort umsteigen musste. So kam es, dass ich innerhalb von 48 Stunden ziemlich viel von Deutschland, ziemlich wenig von Basel, und Mannheim gleich zweimal gesehen habe. Wie die Geschichte ausgeht, werde ich dann demnächst mal erzählen...

2006-01-02

Neues Jahr - Neues Glück - Alte Arbeit

Der medial gebildete Westeuropäer weiß: Der Verbrecher kehrt immer an den Tatort zurück. Und so bin ich nach fünf Jahren Abstinenz für ein kurzes Intermezzo an den Lehrstuhl für Genetik bzw. an's CeBiTec an der Universität Bielefeld zurückgekehrt. Allerdings ist der Spaß wirklich nur von begrenzter Dauer und ich hoffe, bis April/Mai anderweitig eine dauerhafte Tätigkeit gefunden zu haben. Wer also von einer netten Stelle hört... Und ich bin auch nicht unbedingt an Bielefeld gebunden. Anders ausgedrückt: "Have (Perl|XML|LaTeX|Love) - Will Travel"! Eine Diskussion im heise-Forum hat mich zwar leicht ernüchtert, auf der anderen Seite fand ich dann aber diese Stellenanzeige doch sehr ermutigend. Nein, nicht die Tatsache, dass dort mit MS-SQL gearbeitet wird, oder die etwas eigenwillige Schreibweise des Wortes "Entgeltabrechnung" (so einen Patzer sollte man sich mal in der Bewerbung leisten...). Nein, dass explizit jemand zwischen 35 und 45 Jahren gesucht wird. Gut, ist zwar auch eine Leitungsposition, aber es gibt anscheinend doch nicht nur Stellen für 22-Jährige mit 10 Jahren Berufserfahrung.

2005-11-30

Hilfe, EMail funktioniert nicht!

Nein, nein, keine Sorge: Meine EMail funktioniert ganz wunderbar. Aber vermutlich hat jeder Support-Kollege schon einmal eine EMail mit diesem oder einem vergleichbaren subject erhalten. Und jeder hat sich dann schon gefragt: "Und wie konntest Du dann diese EMail schreiben???" Wenn Juristen und Technik aufeinandertreffen, kann man das ganze sogar rechtlich bindend machen. In den AGB eines nicht näher genannten Schulbuchverlages (ich habe gerade versucht, meine digitale Spur etwas auszudünnen), habe ich diesen netten Passus gefunden:
  1. Der Anbieter [der Verlag, Anm.] sendet dem Kunden unmittelbar nach Abschluß des Vertrages eine E-Mail mit den Kundeninformationen an die bei der Registrierung vom Nutzer angegebene E-Mail-Adresse.
  2. Der Nutzer [huch, eben war's doch noch der Kunde, Anm.] verpflichtet sich, den Anbieter unverzüglich unter bestell@xyzzy.de [Adresse geändert, Anm.] zu informieren, wenn diese E-Mail ihn nicht innerhalb von 4 Stunden nach Abschluß des Vertrages erreicht hat.
Ist das nicht wunder-wunder-schön?

2005-11-27

Der Große Bruder und seine kleinen Geschwister

Es ist schon faszinierend, welche Maßnahmen neue Regierungen bei der Übernahme der Amtsgeschäfte als erstes einleiten. Die neue NRW-Regierung hat erstmal mit Volldampf alle Hürden für die Einführung von Studiengebühren aus dem Weg geräumt - auf die versprochenen 4000 Lehrer wartet man hingegen immer noch. Und nun hat unser neuer alter Innenminister Wolfang Schäuble nichts besseres zu tun, als zu fordern, dass die zur Berechnung der Autobahnmaut erfassten Daten auch von den Strafverfolgungsbehörden genutzt werden können. Genau das war ja immer der Kritikpunkt aller Gegner dieser technisch völlig überkandidelten Lösung eines doch an und für sich so einfachen Problems. Immerhin hatte der Gesetzgeber vor einiger Zeit auf die Kritik reagiert: Die Formulierungen in Paragraph 4, Absatz 2 und Paragraph 7, Absatz 2 des Autobahn-Maut-Gesetzes sind erst nachträglich hinzugefügt worden. Wer sein Recht auf Informationelle Selbstbestimmung bisher immer zu leichtfertig an der Garderobe abgegeben hat, weil wir ja schließlich in einem Rechtsstaat leben (da macht schon niemand Unsinn mit meinen Daten), der wird jetzt ganz plötzlich eines besseren belehrt. Witzigerweise wurde aber auch in dieser Woche demonstriert, wie man den Spieß umdrehen kann. Da sieht sich die CIA dem Vorwurf ausgesetzt, sie würde Gefangene per Flugzeug quer durch die ganze Welt transportieren. Wirklich überraschen sollte das niemanden, aber immerhin bequemen sich jetzt auch die europäischen Regierungen, mal ganz offiziell nachzufragen. Wann und wo Flüge stattgefunden haben, kann man aber mit Hilfe ganz vieler kleiner Großer Brüder wunderbar dokumentieren. Nimmt man die in den Nachrichten genannten Flugzeugkennungen, und sucht z.B. bei airliners.net danach, wird man ziemlich schnell fündig: Die Boeing 737 mit der Registrierung N313P wurde mehrfach auf Mallorca, in der Schweiz und Portugal gesichtet. Auch nachdem die Registrierung in N4476S geändert wurde, hat sie einmal Prag einen Besuch abgestattet. Der Gulfstream-Jet N379P war auch schon in Portugal zu sehen, nach seiner Umbenennung in N8068V hat auch er einen Stopp in der Schweiz eingelegt. Unter der aktuellen Bezeichnung N44982 ist er bisher nicht in der Datenbank zu finden, aber das ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.

2005-11-17

Bong Schur die Tour

Die Tour kommt. Nein, nein, nicht Le Tour, sondern die Deutschland Tour 2006. Und nu' ratet mal, wo die erste Etappe am 2. August endet? In Pillefeld am Wackelpeter, der Stadt die es garnicht gibt. Das müssen SIE sich ausgedacht haben! Wer's nicht glaubt: Guckst Du hier (JPEG) oder hier (Real Media). Leider ist noch nicht ersichtlich, wie die Strecke genau verläuft und wo das Ziel sein wird. Vermutlich wird das erst kurz vor Eintreffen des Pelotons entschieden, je nach aktueller Baustellenlage.

2005-11-15

Been there - Done that - Got the T-Shirt

Erstmal herzlichen Dank für die vielen aufmunternden Worte, die mich in diesem Forum und auf anderem Wege erreicht haben. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Heute habe ich meine letzten Unterrichtsstunden gegeben, und das gibt mir nochmal Gelegenheit, das knappe letzte Jahr rückblickend zu betrachten. Zu den Motiven meines Ausstiegs habe ich ja schon was gesagt, das will ich hier nicht nochmal wiederholen. Aber vielleicht zu den Einblicken, die ich in dieser Zeit gewonnen habe. Spätestens seit der ersten PISA-Studie der OECD ist das Thema Bildung in Deutschland ja eines der heissen Eisen, fast auf einer Stufe mit den Problemen Arbeitslosigkeit und Konjunktur. Jedem ist eigentlich klar, dass dringend was getan werden muss, aber irgendwie scheint sich niemand zu trauen, oder es hat bisher niemand das Patentrezept gefunden, das uns aus der Misere führt. Neben vielen anderen Aspekten spielt natürlich die Kompetenz der Lehrer eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche auf das (Berufs-)Leben vorzubereiten. Und ich denke, da hapert es gewaltig, zumindest was die Aussichten für die Zukunft angeht. Der allgegenwärtige Sparzwang hat dazu geführt, dass es viel zu wenig Lehrer gibt, und dass diejenigen, die sich auf den Beruf des Lehrers einlassen, eine mehr als fragwürdige Ausbildung erhalten. Ich hatte im Referendariat 12 Wochenstunden Unterricht zu leisten - davon drei Stunden in Begleitung eines Ausbildungslehrers und neun Stunden eigenständigen Unterricht. Zwar gab es hin und wieder Unterrichtsbesuche (die von allen Referendaren gehasst werden, weil es letztendlich Prüfungen sind, die über die Abschlussnote entscheiden), aber sonst fand im Prinzip keine Kontrolle statt, was man in diesen neun Stunden trieb. In diesen "Bedarfsdeckenden Unterricht" wurde man bereits nach wenigen Wochen Referendariat geworfen, eine Zeit die kaum ausreicht, die gröbsten Fehler zu erkennen, geschweige denn zu beheben. Also (und ich spreche jetzt mal nur von mir) nimmt man etliche schlechte Angewohnheiten mit in den Unterricht, und diese schleifen sich dann durch stetige Wiederholung ein, ohne dass jemand da ist, der einen darauf aufmerksam machen könnte. Das Ergebnis kann sich jeder vorstellen... So wichtig und richtig ein früher Kontakt zur "Zielgruppe" und die eigene Unterrichtserfahrung ist - die Referendare dabei größtenteils alleine zu lassen ist eine unglaublich bescheuerte Idee. Natürlich hängt eine andere Art der Ausbildung letztendlich nur von einem Faktor ab: Geld. Die vorhandenen Lehrer müssen entlastet werden, damit sie sich vor Ort in der Ausbildungsschule intensiver um die Referendare kümmern können. Das bedeutet, dass der reguläre Unterricht auf mehr Kollegen verteilt werden muss. Was sowieso sinnvoll ist: Ich habe an den beiden letzten Wochenenden erfahren, was es heisst, zwei Korrekturfächer zu unterrichten (also Fächer, in denen Arbeiten/Klausuren geschrieben und korrigiert werden müssen). Wie das Kollegen mit dem doppelten Stundenpensum durchstehen ist mir ein absolutes Rätsel. Und ich habe keinen Kollegen getroffen, der nicht irgendwo von dem Beruf und den steigenden Belastungen angefressen ist. Das Burnout-Syndrom ist bestimmt keine Modekrankheit, sondern eine knallharte Realität. Vor diesem HIntergrund verwundert es also überhaupt nicht, wenn die Kultusministerkonferenz (Achtung: Web-Design wie vor 10 Jahren, hier ist die richtige Seite) beschließt, aus der OECD-Studie auszusteigen, die die Lehrer evaluieren soll. Das erschreckende Ergebnis wollte man sich wohl ersparen. Gute Ausbildung kostet, und solange der Staat (und damit letztendlich wir als Gesellschaft) nicht bereit sind, Geld zu investieren - viel Geld - wird sich an der Misere nichts ändern. Und so werden wir uns wohl alle drei Jahre wieder über die neuste PISA-Studie ärgern. Dann wird den vorhandenen Lehrern zur Kompensation der Probleme noch mehr Arbeit aufgenötigt, und wir sinken tiefer und tiefer in den Schlamassel, ohne Hoffnung auf Rettung. Aber wie gesagt: Das alles waren nicht die Gründe, warum ich das Handtuch geworfen habe. Allerdings: Gereicht hätten sie allemal...

2005-11-09

Und das war das...

Dieses Blog wurde ja vor allem zu dem Zweck eingerichtet, meinen Werdegang als Referendar zu dokumentieren. Und somit gehört auch diese Nachricht hier hinein: Ich werde mein Referendariat zum 15.11. beenden. Wie konnte es soweit kommen? Ich bin öfters gefragt worden "Na, macht's noch Spass?" Die richtige Frage wäre eigentlich immer gewesen: "Na, macht's schon Spass?" Der Beruf des Lehrers hat seine schönen Seiten, ich habe eine tolle (wenn auch etwas weit entfernte) Schule bekommen, und durfte mit furchtbar netten Kollegen zusammenarbeiten (die ich hoffentlich nicht ganz aus den Augen verlieren werde). Aber wenn man merkt, dass Lehrer sein auch und vor allem heißt, anderer Leute Kinder zu erziehen, und man dafür kein Talent hat bzw. einem das einfach nicht liegt, dann sollte man diesen Beruf denjenigen überlassen, die das besser können (oder sich zumindest dazu berufen fühlen). Natürlich habe ich mich vom Moment des Entschlusses an gefragt, ob dieser Schritt denn nun der richtige ist (vor allem, weil er endgültig und unumkehrbar ist). Aber dann musste ich mir nur vorstellen, diesen Beruf für die nächsten 30 Jahre auszuüben, und ich war mir wieder sicher, dass ein Ende mit Schrecken das kleinere Übel ist. Ich denke aber nicht, dass das letzte Dreivierteljahr verlorene Zeit war. Die gemachten Erfahrungen und die gewonnenen Einsichten möchte ich nicht missen. Und letztendlich: Ich musste es einfach ausprobieren um herauszufinden, dass es nicht das richtige für mich ist. Noch kurz zu Chronologie (für alle, die Wetten abgeschlossen haben :). Ich stand ja schon mehrfach kurz davor, alles hinzuschmeissen (wie vermutlich viele Mit-Referendare auch, die aber nicht über den Luxus des Quereinstiegs verfügen). Ende Oktober war dann der Punkt erreicht, an dem ich mir nicht mehr einreden konnte, dass ich es noch packe. Nachdem ich meinen Schulleiter und die Seminarleitung informiert hatte, nahm die Entlassung ihren Lauf. Anschliessend wurden meine Hauptseminarleiterin und meine Fachseminarleiter informiert ("Der Unterricht, den ich gesehe habe, war doch ganz ordentlich." Na Danke, dass hätte man mir auch eher sagen können...). Das Hauptseminar wurde dann letzte Woche geschockt, vor allem weil sich gleich noch ein zweiter Kollege verabschiedete. Meine Schüler wollte ich eigentlich erst nächste Woche, in den letzten Stunden informieren. Dummerweise ist aber gestern was durchgesickert, so dass ich heute in den Kursen bestürmt wurde, ob das Gerücht stimmt. Lange konnte ich das Dementi nicht aufrechterhalten. Somit bin ich gespannt, wie die letzten Unterrichtsstunden vor diesem Hintergrund verlaufen werden. Was nun kommt weiss ich noch nicht. Falls jemand eine Stelle zu vergeben hat, die zu meinen Neigungen und Fähigkeiten passt (als Systemadministrator, IT-Ausbilder/Trainer oder Blöde-Sprüche-klopfer-und-alles-besser-Wisser): Bitte melden. Oder um es mal mit einem T-Shirt-Aufdruck zu sagen: "Will TeX for Food!"

2005-10-16

neulich im Kino: "The Brothers Grimm"

Oder: Zuviel gewollt und zuwenig gekonnt. Durch diverse Filmkritiken vorgewarnt, bin ich mit nicht allzu großen Erwartungen in den Film gegangen. Das war wohl auch gut so. "The Brothers Grimm" ist ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. An sich kann Terry Gilliam ja tolle Filme machen. "Brazil", "Twelve Monkeys" oder "The Fisher King" sind ja nun wirklich Aushängeschilder seines verschrobenen Humors - und das, obwohl es alles andere als Komödien sind. Und auch Brothers Grimm hätte ein solcher Film werden können. So hanebüchend der Plot auch ist - Jacob und Wilhelm Grimm als Kämpfer gegen Dämonen, Geister, Hexen und dergleichen mehr - er hätte funktionieren können. Diverse Schauspieler liefern wirklich witzige Vorstellungen ab, z.B. Peter Stormare (ein Schwede, der einen Italiener spielt), oder Jonathan Pryce (ein Brite, der einen Franzosen spielt, und neben Mackenzie Crook noch aus "Pirates of the Carribean" bekannt ist, und schon in diversen anderen Gilliam-Streifen mitgespielt hat). Das Hauptmanko sind aber die beiden Hauptdarsteller. Vielleicht ist es ja gerade der Erfolg von "Pirates" gewesen, der irgendjemanden auf die Idee gebracht hat, Matt Damon und Heath Ledger genauso nuschelig und unverständlich brabbeln zu lassen, wie Johnny Depp als Captain Sparrow. Aber vielleicht sind die beiden Schauspieler einfach nicht zu mehr fähig - dass Depp mehr kann, hatte ich ja bereits vor einiger Zeit berichtet. Selbst wenn der durchschnittliche amerikanische Zuschauer nicht weiss, dass die Gebrüder Grimm sich bestimmt besser artikulieren konnten, weil sie eben nicht nur ihre Märchen gesammelt haben - ein derartiges Herumgestammele, bei dem man die Dialoge nur sehr bruchstückhaft mitbekommt, ist einfach nur nervig. Leider bleibt aber auch das Drehbuch selbst hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mit zwei oder drei richtig ekelhaften Szenen musste man natürlich rechnen, es ist halt immer noch Terry Gilliam. Was vielleicht etwas versöhnlich stimmen kann, ist die Ausstattung des Films. Na gut, ob Marbaden oder andere deutsche Städte wirklich so ausgesehen haben, sei mal dahingestellt, aber der Zauberwald ist schon recht nett. Und wer hat's gemacht? Die Tschechen haben's gemacht, der Film ist komplett in den Barrandov-Studios in Prag gedreht worden. Also dort, wo Pan Tau oder diverse andere Märchen verfilmt wurden. Aus technischer Sicht muss sich diese Produktion nicht hinter Filmen aus den USA oder Neuseeland verstecken. Tja, Fazit: Wem "Van Helsing" gefallen hat, der soll sich "Brothers Grimm" ruhig ansehen. Allen andern empfehle ich "7 Zwerge", denn da wird gezeigt, wie deutsche Märchen richtig durch den Kakao gezogen werden.

2005-10-11

Veranstaltungshinweis

Zum Glück findet auch in diesem Semester wieder das RBG-Seminar
http://www.techfak.uni-bielefeld.de/ags/rbg/lehre/2005wise-392192/
statt, das sich inzwischen zu einer festen Tradition entwickelt hat. Der Terminplan ist im Augenblick noch furchtbar leer, wird aber hoffentlich bald mit interessanten Vorträgen gefüllt werden. Einige Themen, die es in den letzten Semestern nicht geschafft haben, sind auf der obigen Seite zu finden. Weitere Dinge, zu denen ich gerne einmal einen Vortrag hören möchte, wären z.B. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Also, am 18.10.2005 geht's los, um 16 Uhr (c.t.) in M3-115. Sagt "Örn schickt mich", und Ihr bekommt freien Eintritt!

2005-10-08

Tue gutes ...

... und sprich darüber. Um die Arbeit der IETF etwas transparenter zu machen, gibt es ab jetzt das IETF Journal. Herausgegeben wird es von der ISOC, und es soll in Zukunft dreimal pro Jahr erscheinen. (Wilde Spekulation: Immer nach einem Meeting?) Die Erstausgabe teilt sich - für eine Erstausgabe nicht ganz unüblich - in zwei Hälften: Einer kurzen Beschreibung der IETF und aktuellen Informationen der angrenzenden Organisationen einerseits, und einer Nachbesprechung diverser WGs auf der IETF 63 in Paris andererseits. Positiv fällt auf, dass die Artikel kurz und knapp sind. Ich denke, mit etwas Geschick kann sich diese Zeitschrift zu einem schönen Gegenstück zu Ciscos Protocol Journal entwickeln, das ja eher längere und technisch detailierte Artikel bringt. Und schön ist, dass man einigen seit Jahren bekannten Namen jetzt endlich mal ein Gesicht zuordnen kann. Und dass man nachlesen kann, was Leute, mit denen man jahrelang Tür an Tür gearbeitet hat, denn heute so treiben :)

2005-09-27

Frechheiten

Auf diesen Tag habe ich gewartet. Irgendwie habe ich immer damit gerechnet, dass irgendjemand mal zugibt, dass wir Quereinsteiger eigentlich unerwünscht und vor allem ungeeignet sind, und heute ist es endlich passiert. Ich war heute auf der Jahrestagung des MNU-Landesverbandes Westfalen (ja, die Web-Seite sieht tatsächlich so krank aus), und musste mir von einem Herrn Psarski von der Bezirksregierung Arnsberg zum Thema Informatik-Referendare sinngemäß anhören: "In letzter Zeit sind ja Informatik-Quereinsteiger zu mir gekommen, die aus ihren ursprünglichen Berufen entlassen wurden, die dann aber gleich gesagt haben, dass sie Schule ja nur als Notlösung ansehen. Diese Leute können von ihren didaktischen Fähigkeiten mit echten Lehrern natürlich nicht mithalten. Und das bisschen Fachwissen, dass können sich echte Lehrer als Autodidakten sowieso viel besser aneignen." Am meisten ärgert mich im Nachhinein, dass ich nicht einfach aufgestanden und rausgegangen bin. Das beste war nämlich, dass wir am Vormittag ein wunderschönes Beispiel für die Kenntnisse und Fähigkeiten dieser Autodidakten bekommen haben. Thema eines anderen Vortrags war "Netzwerkgrundlagen und Client-Server-Applikationen". Das die Form mehr als zu wünschen übrig lies (48 zum Teil unleserliche Folien in einer knappen Stunde), kann ich als pädagogischer Laie natürlich nicht beurteilen (auch wenn eine solche Darbietung in einem meiner Uni-Seminare von mir passend kommentiert worden wäre). Viel spannender war für mich aber zu sehen, welche merkwürdigen Vorstellungen und urban legends entstehen, und viel schlimmer: unterrichtet werden, wenn solche Autodidakten sich damit befassen. Da wird z.B. "der Weg einer Mail" mit Hilfe von traceroute erläutert (schon mal was von A- und MX-Records gehört?). Da wird behauptet, der IP-Header enthielte die Adresse des nächsten Routers (gemeint ist wohl, dass die link-layer-Adresse des next hop im entsprechenden header steht). Und da wird die Kommunikation über sockets mit Hilfe von FTP erläutert, natürlich ohne auf die Besonderheit von control connection und data connection einzugehen, was dieses Protokoll so ziemlich zum schlechtesten Einstiegsbeispiel unter den "klassischen" TCP/IP-Protokollen macht. Von der üblichen Leichtgläubigkeit (da müssen wir einfach nur Verschlüsselung einsetzen, dann ist das sicher) will ich garnicht erst schreiben... Die Tatsache, dass ich mein im vorherigen Beruf erworbenes Wissen bisher nur sehr spärlich als Lehrer einsetzen konnte, ist mit ein Grund für die hin und wieder auftretenden Frust-Attacken. Erlebnisse wie das heutige können mir aber eigentlich nur die Hoffnung geben, dass dieses Wissen sinnvoll eingebracht werden kann, ja sogar dringend gebraucht wird.

2005-09-10

Die Tage werden kürzer, die Wochen werden länger

So kommt es mir zumindest vor. Nachdem alle meine Schüler wieder wohlbehalten nach Steinheim zurückgekehrt sind, ist heute die erste richtige Woche voll Unterricht zu Ende gegangen. Genau: Heute ist Samstag. Nach dem Seminar Erziehungswissenschaften am Vormittag war ich am Nachmittag noch in meiner Schule, die heute einen Sponsorenlauf veranstaltet hat. Und: So ein richtiges Ende der Woche gibt es eigentlich überhaupt nicht. Der Sonntag muss für die Planung der nächsten Stunden herhalten. Ich weiss auch nicht, eigentlich sollte es nach den Ferien ja ganz anders laufen. So mit langfristiger Planung, damit ich immer weiss, was ich in den nächsten Wochen machen will und wo ich bis zur nächsten Klausur hin muss. Aber jetzt bin ich schon wieder in dem Trott, mich von Stunde zu Stunde zu hangeln. Immerhin geht es nicht nur mir so, sondern auch dem einen oder anderen Referendarskollegen. Und ich habe die leichte Hoffnung, dass sich der Zustand demnächst bessern könnte. Entweder, weil ich langsam besser mit dem Stoff vertraut werde, oder weil ich merke, dass es so einfach nicht mehr weitergehen kann. Und dann bin ich unschlüssig, wie ich die aktuellen Meldungen über den Lehrermangel bewerten soll. Einerseits verbessert das natürlich die Aussicht, nach dem Referendariat übernommen zu werden. Andererseits drückt es aber die Motivation, dass man im Prinzip auch mit einem mieserablen Abschluss noch Chancen hat. Niemand wird gerne mit Nieten in einen Topf geworfen, völlig unabhängig davon, ob man selber eine ist oder nicht. Wenn man sich schon jetzt auf Sprüche wie "Sie haben Ihr Examen wohl im Lotto gewonnen!" einstellen kann, macht das nicht unbedingt Lust auf den Beruf. Im Prinzip hat die Politik zwei Möglichkeiten, auf die Situation zu reagieren: Entweder wird der Beruf des Lehrers "entstresst", um wieder mehr Bewerber zu gewinnen, oder den vorhandenen Lehrern wird noch mehr Arbeit aufgehalst. Sollen wir mal eine Prognose wagen???

2005-09-02

neulich im Kino: "Charlie and the Chocolate Factory"

Kino-Trailer gehören verboten! Entweder sie nehmen alle guten Szenen eines Films vorweg und man quält sich dann im Kino durch den Rest. Oder sie haben kaum etwas mit dem Film zu tun, und um ein Haar verpasst man zwei Stunden richtig gute Unterhaltung. "Charlie and the Chocolate Factory" und die zugehörige Werbung gehören zur letzten Kategorie. Die Geschichte von Roald Dahl, die schon öfters verfilmt und auch schon manches mal veralbert wurde, ist eigentlich recht einfach gestrickt. Der Schokoladenfabrikant Willy Wonka lädt fünf Kinder in seine Fabrik ein. Vier davon sind wahre Kotzbrocken, denen im Laufe des Films der eine oder andere Unfall passiert. Nur ein Kind ist gut, nett, wohlerzogen - und bettelarm. Soweit zum offensichtlich moralisch erhobenen Zeigefinger, der heute vielleicht etwas antiquiert wirkt (nicht unbedingt ist). Was den Film absolut sehenswert macht ist nicht die Geschichte, sondern wie sie erzählt wird. Hat Johnny Depp eigentlich schon mal eine halbwegs normale Rolle gespielt? Als exzentrischer Willy Wonka lebt er in seiner eigenen Welt und wirkt völlig durchgeknallt, lässt dann aber urplötzlich und ohne Vorwarnung die tollsten Sätze vom Stapel. Regisseur Tim Burton arbeitet nicht nur zum wiederholten Male mit Depp zusammen, sondern hat auch wieder seinen Stamm-Komponisten Danny Elfman für die Musik verpflichtet. Die meisten Liedtexte stammen von Dahl, werden aber auch schon mal mit moderner Musik unterlegt. Und gerade bei den Musiknummern tritt der heimliche Star des gesamten Films in den Vordergrund: Deep Roy. Obwohl dieser Schauspieler in den letzten 30 Jahren oft nur für Augenblicke in Nebenrollen zu sehen war (in einem der schlechteren "Pink Panther"-Film, oder als Besitzer der Rennschnecke in der Unendlichen Geschichte), fällt er durch seine Körpergröße von etwas mehr als 1,30 Meter auf. In diesem Film spielt Roy sämtliche Oompa-Loompas, die fleißigen Arbeiter der Schokoladenfabrik. Laut imdb.com waren es 165 Rollen, und kaum zwei sind wirklich identisch, jeder hat eine eigene Persönlichkeit. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie Burton diesem Schauspieler die Möglichkeit gibt, sich einmal richtig auszutoben und sein Können zu zeigen. Auch diesen Film kann ich nur empfehlen (ich glaube, über andere würde ich garnicht erst schreiben...). Wenn man sich nicht an der im Grunde simplen Story stört, sondern sich an einem wirklich super gemachten Film erfreuen will (der zudem bis in die kleinsten Rollen mit grandiosen Schauspielern besetzt ist), dann sollte man sich von dem Trailer nicht abschrecken lassen und sich für zwei Stunden in die Welt von Willy Wonka entführen lassen.

2005-08-27

Ich bin noch da...

Der eine oder die andere kennt das vielleicht: Man ist gespannt wie ein Flitzebogen, weil ein großes Ereignis bevorsteht, und dann kommt alles ganz anders. Und die Spannung entlädt sich dann in die merkwürdigsten Gedanken und Überlegungen. Aber der Reihe nach. Im kommenden Schuljahr habe ich das Vergnügen mit zwei parallelen Kursen Mathematik in der Stufe 11 und einem Differenzierungskurs Informatik/Mathematik der 10. Klassen. Dummerweise haben die 11er in den ersten beiden Wochen Berufs-Praktikum, und die 10er in der zweiten Woche Klassenfahrten. Mit anderen Worten: Ich werde in den ersten zwei Wochen genau drei Stunden Unterricht geben, bzw. habe diesen bereits erteilt. Damit habe ich viel mehr freie Zeit (nicht unbedingt Freizeit) als erwartet, und viel mehr Zeit für schräge Gedanken. Zum Beispiel: Was machst Du hier eigentlich? Willst Du wirklich Lehrer werden? Wirklich wirklich? Wie ziehst Du Deinen Unterricht auf? Was kommt dran? In welcher Reihenfolge? Was müssen die Schüler bis zur ersten Klausur unbedingt können? Nicht, dass ich mir diese letzten Gedanken nicht sowieso hätte machen müssen. Aber ohne weitere Ablenkung, mit immer mehr Abstand zum letzten eigenen Unterricht nahm der Selbstzweifel doch ziemlich bedrohliche Ausmaße an. Inzwischen scheint die erste Sinnkrise des neuen Schuljahrs überwunden. Es wird aber bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Geholfen hat der erste Seminartag und die Erkenntnis, dass es vielen Kollegen ähnlich geht wie mir. Naja, sobald der Berufsalltag so richtig losgeht, verflüchtigen sich diese diffusen Zweifel endgültig und werden durch ganz handfeste Sorgen, Probleme und Stress ersetzt...

2005-08-12

Ein Scheibe geröstetes Weißbrot gefällig?

NetBSD ist vermutlich das am meisten unterschätzte Betriebssystem der Welt. Aber das wird sich jetzt ändern, denn nur NetBSD konnte diese letzte Hürde bei der Entwicklung des Menschen vom Affen zum Geek nehmen: NetBSD läuft jetzt auch auf einem Toaster! Damit wir uns richtig verstehen: Das ist nicht einfach ein Toaster-Gehäuse mit einem Rechner. Das kann jeder PC-Schrauber, der weiß, wo beim Lötkolben die spitze Seite ist. Es ist ein voll funktionsfähiger Toaster, der dazu dient, Brot in Holzkohle zu verwandeln. NetBSD wurde um Treiber erweitert, die die Temperatur messen und den Röstvorgang entsprechend dem vom Benutzer gewünschten Grad der Verkokelung steuern. Hergestellt wurde der Toaster von Technologic Systems. Der Öffentlichkeit präsentiert wurde er während der LinuxWorld (wie passend). Auf einem der Bilder steht der Toaster auf einem Amiga 2000. Das ist noch viel passender, bedenkt man doch, dass einer der am meisten unterschätzten Computer nicht zuletzt durch den Video Toaster der Firma NewTek sein Potential zeigen konnte. Dieser Verbindung verdanken wir Fernsehserien wie "Babylon 5" oder "SeaQuest DSV". Und so schließt sich der Kreis...

2005-08-06

klick klick klick

Alle neuen Trends kommen ja bekanntermaßen aus den Juuu-Essss-Ähhh (guckst Du hier: 6 MB oder 2,5 MB). Aber wie Vella richtig fragte: Muss man wirklich alles mitmachen? CNet (via slashdot) berichtet über "clicker". Das sind kleine Geräte, die frappierende Ähnlichkeit mit einer Fernbedienung haben. Sie können im Unterricht von Schülern oder Studenten eingesetzt werden, um vom Lehrer gestellte Fragen zu beantworten oder Meinungsbilder einzuholen. Hersteller solcher Geräte gibt es inzwischen eine ganze Menge, nur anscheinend konnte man sich noch nicht auf eine einheitliche Bezeichnug einigen: Personal Response System (PRS), Classroom Performance System (CPS), oder auch Audience Response System (kein Akronym? Seltsam, seltsam... :). Nach Meinung der Hersteller ist es mit Hilfe dieser Technologie möglich, sich unmittelbar einen Überblick über den Wissensstand und den Lernerfolg aller Schüler zu verschaffen, siehe dazu das Video (Windows only ...) beim ersten der oben genannten Anbieter. Die Frage ist, ob das eine gute Idee ist. Einerseits kann ich die Motivation verstehen. Man weiß nie genau, ob das bei den Schülern (oder Studenten) angekommen ist, was man wollte. Vor allem, ob nur einzelne mitgekommen sind, die meisten oder alle, ist (zumindest für mich im Augenblick) immer sehr schwer einzuschätzen. Andererseits scheint diese Art der Lernkontrolle nur gut in Kombination mit einer Unterrichtsform zu funktionieren: Frontalunterricht. Und den sollte man in der Schule nur an einigen wenigen, wohlbegründeten Stellen einsetzen und sonst möglichst vermeiden (so zumindest die allgemeine Ansicht, soweit ich das bisher mitbekommen habe). Und die Fragen sind fast unweigerlich Multiple-Choice-Tests, was eine noch viel größere Sünde ist als Frontalunterricht. Außerdem weist der slashdot-Artikel zu Recht darauf hin, dass stille Schüler noch darin bestärkt werden, lieber den Mund zu halten. Und die ohnehin schon spärlichen verbalen Kompetenzen bei etlichen Jugendlichen werden durch so ein System sicherlich auch nicht gerade gefördert. Also, ich bin da sehr skeptisch... Zu diesem Thema würde mich wirklich die Meinung meiner kleinen (zahlenmäßig, natürlich :) aber elitären Leserschaft interessieren. Schreibt doch mal einen Kommentar, was Ihr von solchen Geräten haltet, und ob Ihr sie gerne in der Schule oder der Uni gehabt hättet.

2005-07-31

Achtung Werbung!

Statt einem richtigen Artikel gibt's heute etwas Werbung. Am letzten Freitag war System Adminstrator Appreciation Day, und wer seinen Sysadmin bei Laune halten will, lässt ihm oder ihr hin und wieder eine Aufmerksamkeit zukommen. ThinkGeek hat jede Menge Zeug, dass niemand wirklich braucht, aber um das einen jeder beneiden wird: Den Schweizer-Armee-USB-Stick, einen nichtlizensierten grünen Laserpointer, für den man eigentlich einen Waffenschein bräuchte, oder ein Aquarium mit USB-Anschluss. Doch was würde man einem Mathematiker schenken? (Die Antwort auf die Frage, warum es keinen Mathematician Appreciation Day gibt, sei dem Leser als einfache Übung überlassen.) Wie wäre es mit einer Kleinschen Flasche, einem Gegenstand mit nur einer Seite, d.h. keiner ausgezeichneten Aussen- oder Innenseite? Erhältlich sind sie in verschiedenen Formen, Farben und Größen bei ACME Klein Bottles, der Firma von Clifford Stoll (dem Autor von "The Cuckoo's Egg", deutsch "Kuckucksei", und meinem absoluten Lieblingszitat: " 'Wir beobachten jemanden, der noch nie Berkeley-Unix verwendet hat.' Dann hielt er den Atem an und flüsterte: 'Ein Heide.' "). Die Kaffeetasse sieht doch richtig praktisch aus... Ach ja: Unbedingt die Stellenausschreibungen der Firma lesen!

2005-07-14

Le Tour à trois dimensions

Bonjour le Tour! Nachdem Google nicht nur das Programm "Google Earth" freigegeben hat, sondern netterweise auch gleich noch die Spezifikation für die Keyhole Markup Language, kann man nun beliebige Punkte der Welt genauer in Augenschein nehmen und sogar mit eigenen Informationen überlagern. Und wenn dann noch die ARD gemeinsam mit MagicMaps die Etappen der Tour de France 2005 als GPS-Koordinaten zur Verfügung stellt, dann sind die folgenden Bilder nur noch ein paar Zeilen Perl entfernt: Die 8. Etappe von Pforzheim nach Gérardmer verlief durch den Schwarzwald. Die 14. Etappe führt die Fahrer in die Pyrenäen. Die 15. Etappe geht über mehrere schwere Gipfel der Pyrenäen, wie man sehen kann, wenn man der Route folgt: Etappe 15, Übersicht Mit der Animationsfunktion von Google Earth kann man die Routen abfliegen, so wie es die Fernsehsender in ihren Sendungen machen. Zum Selberausprobieren stelle ich die 21 Etappen als KML-Dateien zur Verfügung. Einfach in Google Earth mit "Open..." laden.

2005-07-12

APUE2e

Wie gerade auf slashdot berichtet wurde, gibt es eine neue Auflage von "Advanced Programming in the UNIX Environment". Da Richard Stevens bekanntermaßen keine Bücher mehr schreiben kann, wurde dieses Standardwerk von Stephen Rago überarbeitet. Ich weiß nicht, aber irgendwie finde ich den Dilbert auf dem Cover einfach nur genial...

2005-07-06

Hallo Leute, es sind Ferien...

...und mit viel Tam-Tam startet wieder unser Ferienprogramm. Die älteren Leser erinnern sich noch :) Die ersten drei Monate Unterricht sind vorbei, und wir Referendare haben es tatsächlich überlebt. Ich habe gestern meine Klassen/Kurse erfahren (die ich hier aber leider noch nicht nennen darf), in denen ich nach den Ferien eigenständigen Unterricht geben werde. Die Aufgabe scheint lösbar zu sein, vor allem wenn ich mich in den nächsten Wochen endlich etwas ausführlicher vorbereiten kann. Als Lehrender an der Universität fand ich die von der Fachschaft durchgeführte Evaluation der Veranstaltungen immer sehr aufschlussreich. Aus diesem Grund habe ich in der letzten Stunde in meiner 9. Klasse einen ähnlichen Fragebogen ausfüllen lassen. Anscheinend kann man es nicht allen recht machen: Einige fanden den Unterricht gut, andere langweilig. Einige haben was gelernt, andere meinen, sie hätten nichts verstanden. Einig waren sich im Prinzip alle, dass ich mich besser durchsetzen muss, vor allem bei Störungen im Unterricht. Die besten O-Töne:
  • "Referendare haben es immer schwerer."
  • "Einfach immer locker bleiben."
  • "Sie sind, denke ich, trotzdem ein netter Kerl, auch wenn Sie Mathelehrer geworden sind."
Das lasse ich einfach mal so stehen...