2006-04-30
neulich in Bielefeld: Nachtansichten 2006
Siehe auch meinen Bericht zu den Nachtansichten 2007!
Diesen Samstag fanden erneut die Nachtansichten in Bielefeld statt, und nachdem mir letztes Jahr die Idee recht gut gefallen hatte, sich in einer Nacht durch die lokale Kultur zappen zu können, wollte ich mir das dieses mal natürlich nicht entgehen lassen. Auch von dem deutlichen schlechteren Wetter und der kurzfristigen Absage meiner Begleitung lies ich mich nicht abschrecken...
Los ging es im Historischen Museum. Die zwar recht überschaubare, aber dennoch sehr interessante Ausstellung "Burgen - Geheimgänge - Zauberei" erklärt, wie die Menschen, seitdem sie sesshaft geworden sind, ihre Wohnungen und ihr Hab und Gut zu schützen versuchen (der Titel der Ausstellung ist also nicht ganz passend). Das betrifft einerseits Türen, Schlösser, Geheimfächer und Tresore, andererseits aber auch Hausgeister und ihre Besänftigung und anderen (Aber-)Glauben. Abgerundet wird das ganze durch Informationen der örtlichen Polizei, wie man seine eigene Wohnung schützen kann. In dem Kontext vermisst habe ich natürlich jegliche Information zum Entsperren von Schlössern. Eine entsprechende Vorführung würde sicherlich auch so manchen Zuschauer erst erstaunen und dann erschrecken.
Auf den folgenden Stationen wurde mir klar, was ich immer schon geahnt habe: Mir fehlt einfach der Bezug zur bildenden Kunst. Im Lichtwerk neben dem Historischen Museum war eine kleine Ausstellung, und (nach einer Fahrt mit dem Nachtansichten-Shuttle) war ich kurz beim WDR, um mir die Ausstellung "ModeMachtMenschen" anzusehen. Den Titel fand ich deswegen recht spannend, weil ich an meinem neuen Arbeitsplatz natürlich auch die Aufteilung der Menschheit in zwei Gruppen beobachten kann: Solche, die sich die Sauerstoffzufuhr mit Hilfe von bunten Tüchern abschneiden, und solche, die das bleiben lassen. Einen Diskurs zu diesem Thema hätte ich ausgesprochen spannend gefunden. Stattdessen waren Arbeiten des Bereichs Gestaltung/Mode der FH Bielefeld ausgestellt (die sicherlich nicht schlecht waren, meiner Meinung nach aber nur bedingt einen Bezug zum Titel der Ausstellung hatten), und Werbeplakate aus den letzten Jahrzehnten, über die man heute schmunzeln kann. Irgendwie sprach mich das nicht wirklich an.
Also weiter ging es, zu Fuß die Kreuzstraße entlang, kurz in der Neustädter Marienkirche vorbeigeschaut, und in's Naturkundemuseum. Auch hier fand ich die Ausstellung im oberen Stockwerk eher ernüchternd: Ein Labyrinth aus von der Decke hängenden Leinenbahnen, mit Rätseltexten, deren Lösung verschiedene Naturprodukte (Getreidekörner, Wachs, usw.) waren, die man dann in dazugehängten Beuteln ertasten konnte. Das war auch wieder mehr Kunst als Information, und außerdem für einen größeren Publikumsauflauf völlig ungeeignet.
Das war also alles noch nicht wirklich prickelnd. Eigentlich wollte ich auch nur die Zeit überbrücken zum ersten festen Termin, den ich mir vorgenommen hatte: Um 20 Uhr sollte die Big-Band der Universität Bielefeld im Bunker Ulmenwall spielen. Wegen Uni-Band war wohl 20 Uhr c.t. gemeint, und dank "Bielefelder c.t." ging es dann auch erst um etwa 20:20 Uhr los. Bei der etwas längeren Wartezeit wurde mir auch wieder klar, warum ich Kneipen und ähnliche Menschenaufläufe nicht mag. Wann wird Deutschland in den Kreis der zivilisierten Länder aufgenommen, und ein Rauchverbot an solchen Orten eingeführt? Wie dem auch sei, das Konzert begann mit der Warnung, dass die Lokalität klein, die Decke niedrig und die Band relativ groß (ca. 20 Musiker) sei. Man werde versuchen, sich zurückzunehmen, aber es könne schon mal etwas lauter werden. Na gut, so lange die Musik dazu passt, soll mir das recht sein. Und in der Hinsicht wurde ich wirklich nicht enttäuscht. Seit meiner Schulzeit finde ich Big-Band-Musik richtig gut, vor allem wenn man merkt, dass da keine Profis spielen, sondern Hobby-Musiker, die das aus Spaß an der Freude machen. Da darf ein Solo auch schon mal etwas schräg klingen, oder der Einsatz verpatzt werden. Egal, Hauptsache die Stimmung ist super.
Nach der ersten Hälfte des Konzerts, und nachdem ich mich aus der Enge des Bunkers gewunden hatte, ging es in Richtung des zweiten festen Termins. Wie schon im letzten Jahr wurde in der Altstädter Nicolaikirche indische Musik dargeboten (wieder von den Herren Ammermann/Sitar und Gründling/Tabla). Und wie schon im letzten Jahr das gleiche Spiel: Leute kommen mitten im Konzert, setzen sich geräuschvoll hin, hören zwei Minuten zu, und gehen wieder, weil ihrer Meinung nach nichts passiert. Ich glaube, ausser mir haben vielleicht ein Dutzend weiterer Zuhörer die komplette Stunde "durchgehalten". Im Anschluß habe ich mir noch die Fotoausstellung von Igor Kostin zum Thema Tschernobyl angesehen. Auf den Bildern war die Arbeit der Liquidatoren zu sehen (ohne die sich vermutlich noch viel mehr radioaktives Material über Europa verteilt hätte), und das Leben der Leute, die die Region um den Reaktor nicht verlassen wollten oder konnten. Diese Fotos haben mich sehr bewegt, vielleicht weil sie eben die Realität zeigten, und keine Kunst (im Sinne von "künstlich") waren.
Die nächste Station war der der Alte Markt, wo das Duo "Lauschgold" (E. Huber/Harfe und M. Eisenreich/Violine) der Kälte trotzte. Wer immer auf die Idee kam, zwei Saiten-Instrumentalistinnen im April in Bielefeld auf einer offenen Bühne zu präsentieren, sollte dort zur Strafe eine Woche im Zelt campieren. Auch die aufgestellte Gaslampe dürfte die Temperatur nur wenig angenehmer gemacht haben. Die beiden nahmen es mit bairischem Humor und brachten irischen Folk, jiddischen Klezmer und amerikanischen Swing, dass man die Kälte bald vergessen hatte.
Der letzte Abstecher auf dem Weg nach Hause war dann die Süsterkirche. Das war im letzten Jahr für mich der absolute Geheimtipp. Dieses Jahr war die Musikauswahl allerdings etwas konservativer, und ich habe mir nur eine Gruppe angehört. "Ellijora und Freunde", ein achtköpfiger gemischter Chor, sang u.a. zwei Stücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das ist zwar nicht unbedingt mein Musik-Stil, aber es passte einfach, um den Abend ausklingen zu lassen.
Nach einem etwas holprigen Start haben sich die Nachtansichten wieder einmal richtig gelohnt. Ich bin schon gespannt auf das nächste Jahr, dann zur Abwechslung vielleicht mal wieder mit trockenem Wetter und Temperaturen um die 20 Grad.
2006-04-23
Stupid AJAX Tricks
Ich war vor einiger Zeit über etwas verschlungene Umwege auf ein Film-Quiz gestoßen (eigentlich sind's ja zwei). Abgesehen davon, dass ich erschreckend viele Filme nicht erkannt habe, dachte ich mir: Das muss man doch auch selber machen können. Da ich aber einerseits noch nie mit ECMAScript (besser bekannt als JavaScript) programmiert habe, andererseits einmal AJAX ausprobieren wollte, entwickelte sich folgender Plan: Gerade so viel JavaScript auf Client-Seite wie nötig (und ein guter Teil ist aus^H^H^Hvon der obigen Vorlage gekl^H^H^H^Hangeregt), und den Rest auf der Server-Seite machst Du klassisch in Perl.
Was soll ich sagen: Es scheint funktioniert zu haben. Hier also meine beiden Film-Quize:
Film-Quiz Nummer 1 Film-Quiz Nummer 2Im Gegensatz zu den oben erwähnten Vorlagen werden die Eingaben erst überprüft, wenn man "Return"/"Enter" (meinetwegen auch die "Eingabetaste") drückt. Die Eingabe wird dann asynchron an den Server geschickt, mit der richtigen Antwort verglichen, und ob Ihr recht habt oder nicht, sagt Euch dann das Licht. Eigentlich handelt es sich dabei genaugenommen um AJAT oder AJAA, denn statt XML wird einfacher Text hin- und hergeschickt, aber das scheint auch nicht weiter zu stören. Nach einigen Anfangsproblemen sollten die Seiten mit Firefox, Opera und dem Internet Explorer funktionieren. Konquerer/Safari konnte ich nicht testen, Kommentare zu sonstigen Kompatibiltätsproblemen sind willkommen. Und: Ja, die Seiten könnten natürlich noch etwas gestylt werden. Es ging mir erstmal um die Technik... Update: Die Seiten sehen zwar jetzt nicht viel besser aus, aber immerhin sind auch sie jetzt komplett Tabellen-befreit. Aber CSS und ich werden wohl nie wirklich dicke Freunde werden. Und dass der Internet Explorer das Scoreboard nicht rechts oben in der Ecke fixiert, dafür kann ich auch nix. Pech für alle diejenigen, die dem falschen Browser vertrauen... Dafür gibt es jetzt noch ein drittes Quiz, das, so hoffe ich, deutlich schwerer ist als die beiden anderen ist. Achja: In der IMDB spicken gildet nicht, damit ist das ja viel zu einfach.
2006-04-07
¡Mi nuevo trabajo!
Es war ja von Anfang an klar, dass mein Gastspiel in der Genetik nur von kurzer Dauer sein würde. Die Suche nach Projekten, die ich einerseits in der Zeit gut abschließen konnte, mit denen ich aber andererseits keinen größeren Schaden anrichten würde, führte schließlich dazu, dass ich mich mit dem Thema "Content Management Systeme" auseinandergesetzt habe. Der von mir am Ende präferierte Kandidat (der im eigentlichen Sinne überhaupt kein CMS ist), war dann Zope. Mir persönlich gefiel diese Lösung deutlich besser als all die anderen Systeme, die derzeit hip und en-vogue sind. Wenn ich irgendwann mal dazu komme, werde ich definitiv Python lernen und mich weiter damit beschäftigen. Ob die Genetik jemals ein CMS auf dieser Basis erhalten wird, das ist ein ganz anderes Thema...
Von der parallel stattfindenden Job-Suche hatte ich ja schon etwas erzählt. Um's kurz zu machen: Der Job bei Frankfurt war nix (beide Seiten haben sich eine Woche später gegenseitig bestätigt, dass sie den jeweils anderen zwar ganz toll fänden, beruflich aber keine gemeinse Zukunft sehen). Dafür hätte ich in Basel nach einem zweiten Besuch Anfang März sofort anfangen können. Habe ich dann aber doch nicht.
Etwa genau zu der Zeit fragte nämlich ein Bekannter (tststs, wenn Martin jetzt eine Web-Seite hätte, könnte ich ja einen link setzen) nach, ob mich ein Kollege von ihm wegen eines Stellenangebots kontaktieren könne. Klar, warum nicht. Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt seit einer Woche bei Telefónica in Verl arbeite, in der Abteilung von Peter Dräxler. Und mit Jens-Olaf im gegenüberliegenden Büro ist noch ein weiterer Ex-UniBi-ler und NWIler dabei. Aber das war's dann auch schon an "bekannten" oder "gewohnten" Dingen. Bisher war DSL für mich einfach ein Kabel, das aus der Telefondose kommt. So gaaaaanz langsam beginne ich zu verstehen, was am anderen Ende der Leitung passiert. Diese Woche war dermaßen voll mit neuen TLAs, ETLAs und XETLAs, dass mir ziemlich der Schädel brummt. Und wenn dann noch Telco-Englisch und Telekom- bzw. Bundespost-Deutsch aufeinanderprallen...
Zum Schluss der Woche wurde es dann insofern nochmal spannend, als sich der neue Partner (hmm, ich lass den Begriff erstmal so stehen) von Telefónica vorstellte: O2 (can do, ganz genau). Mal schauen, wie sich das Unternehmen in den nächsten Monaten weiterentwickelt. Genug Arbeit scheint es auf alle Fälle zu geben.
2006-04-03
neulich im Kino: "Havanna Blues"
Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Das Lichtwerk ist umgezogen und hat jetzt im Ravensberger Park ein neues, altes Gebäude gefunden, die "alte Tischlerei". Im Vergleich zu den örtlichen Cineplexen ist das Ambiente deutlich angenehmer. Und auch das Publikum unterscheidet sich merklich. Ich weiss nicht, aber ich kann gut darauf verzichten, durch knöcheltiefes Popcorn waten zu müssen, nur weil sich einige Leute nicht benehmen können...
Und wie es sich für ein Kino gehört, das etwas abseits vom Mainstream arbeitet, kann man hier jede Menge Filme ergattern, die man in den oben erwähnten Film-Fabriken nicht zu sehen bekommt. So habe ich mir am Wochenende "Havanna Blues" angesehen. Vordergründig geht es um eine junge, aufstrebende Band in Kubas Hauptstadt, die mit Hilfe einer spanischen Plattenfirma eine steile Karriere starten könnte. Genaugenommen ist der Film aber ein unglaublich interessantes Portrait der (jungen) Bevölkerung Kubas, die einerseits all die Probleme des Landes wahrnimmt und täglich darunter leidet, die aber andererseits ihrer Heimat nicht einfach den Rücken kehren will. Der Deal mit der Plattenfirma funktioniert nämlich nur, wenn die Musiker in den USA als arme, ausgebeutete Flüchtlinge herumgereicht werden können. Das sehen einige einerseits als Verrat an der Heimat an, würde ihnen aber vor allem die Heimkehr unmöglich machen. Der Zuschauer darf bis zum Schluss des Films gespannt sein, wer sich wie entscheidet.
Meiner Meinung nach gelingt dem Film der schwierige Spagat, unparteiisch zu bleiben. Jeder Akteur, und letztendlich auch der Zuschauer, muss selber entscheiden, wie er die Situation auf Kuba einschätzt und welche Konsequenzen er daraus zieht. Ich finde es wirklich erstaunlich, dass der Film auf Kuba (und damit sicherlich mit Duldung der Regierung) gedreht werden konnte.
Wer will, kann die Politik in dem Film auch einfach ausblenden. Während "Buena Vista Social Club" der Musik der 50er Jahre ein verdientes Forum verschaffte, bekommt man hier ein breites Spektrum der aktuellen kubanischen Musikszene gezeigt. Alleine dafür ist der Film einen Besuch wert.
Wer das Lichtwerk und/oder eine andere Ost-/West-Komödie sehen will: Laut Vorschau läuft demnächst "Alles ist erleuchtet". Beinahe hätte ich den Hauptdarsteller ohne spitze Ohren nicht erkannt. Nein, nicht den, sondern den...
2006-03-28
The Wizards Strike Back
Wie hieß der Film nochmal, von dem ich hier neulich erzählte? Richtig: "The Heralds of Resource Sharing". Und weswegen ist der Film von Google Video verschwunden? Richtig: Wegen "Copyright Violation". Wenn das nicht Ironie ist...
Netterweise wurde ich von einem Leser darauf hingewiesen, dass es Leute gibt, denen die juristischen Spitzfindigkeiten anderer Länder ziemlich egal sind. Der Film ist (derzeit) bei Ihrem freundlichen Hacker um die Ecke zu finden.
Es bleibt jetzt nur die Frage: Hätte mich der Leser nicht per EMail darauf hingewiesen, sondern per Kommentar in diesem Blog, wäre ich dann schneller ein Opfer der "Lex Heise" geworden, als ich "negative Feststellungsklage" tippen kann? IANAL, und das ist wohl auch gut so.
2006-03-24
Die OWL-Verschwörung
SIE haben wieder zugeschlagen! Und diesmal haben SIE Google bzw. Google Earth unterwandert!
Google Earth wurde heute um hochauflösendes Kartenmaterial für Deutschland erweitert. Wie es in der Erklärung heißt: "We now have almost all of Germany covered in high-resolution, ...". Und tatsächlich kann man sich viele Dinge in einer nie gekannten Auflösung anschauen. Hier ein paar Beispiele:
Universität Bielefeld
Forschungszentrum Jülich
Flugplatz Gütersloh
Paderborn Lippstadt
Da ein zentrales Thema dieses Blogs einmal "Schule" war, habe ich mich auf die Suche nach meinen ehemaligen Bildungsstätten begeben:
Grundschule Oppenwehe
Söderblom-Gymnasium Espelkamp
Und dann wollte ich mir natürlich meine Schule ansehen. Doch, welche Enttäuschung:
irgendwo auf diesem Bild ist das Städtische Gymnasium Steinheim
Leider betrifft das "almost" aus der Presseerklärung ziemlich genau OWL bzw. den Kreis Lippe.
ganz OWL ist umzingelt von hochauflösenden Aufnahmen
Warum? Warum hier?? Warum wir??? Was haben wir IHNEN denn bloß getan? Aber noch gibt es ja den GeoServer NRW, der all die Daten bereit hält, die man in Google Earth vermisst. Noch, bis SIE auch ihn unter ihre Kontrolle gebracht haben...
Universität Bielefeld
Forschungszentrum Jülich
Flugplatz Gütersloh
Paderborn Lippstadt
Da ein zentrales Thema dieses Blogs einmal "Schule" war, habe ich mich auf die Suche nach meinen ehemaligen Bildungsstätten begeben:
Grundschule Oppenwehe
Söderblom-Gymnasium Espelkamp
Und dann wollte ich mir natürlich meine Schule ansehen. Doch, welche Enttäuschung:
irgendwo auf diesem Bild ist das Städtische Gymnasium Steinheim
Leider betrifft das "almost" aus der Presseerklärung ziemlich genau OWL bzw. den Kreis Lippe.
ganz OWL ist umzingelt von hochauflösenden Aufnahmen
Warum? Warum hier?? Warum wir??? Was haben wir IHNEN denn bloß getan? Aber noch gibt es ja den GeoServer NRW, der all die Daten bereit hält, die man in Google Earth vermisst. Noch, bis SIE auch ihn unter ihre Kontrolle gebracht haben...
2006-03-19
The Return of The Wizards Who Stay Up Late
Kaum zu glauben, aber es ist schon wieder 10 Jahre her, dass Katie Hafner und Matthew Lyon in dem Buch "Where Wizards Stay Up Late" von den Anfängen des Internets erzählten (die deutsche Übersetzung hat den etwas gewöhnungsbedürftigen Titel "ARPA Kadabra"). Obwohl das Buch einige Kritik einstecken musste (von Leuten, die dabei waren), so ist es doch eine spannend erzählte Geschichte darüber, wie Ende der 1960er, Anfang der 1970er das ARPANET entstand - um nicht zu sagen: Von enthusiastischen Wissenschaftlern und Studenten zusammengelötet wurde.
Und gerade passend zum 20. Geburtstag der IETF wurde ein Dokumentarfilm ausgegraben und über Google Video zur Verfügung gestellt, der sozusagen der Film zum Buch ist. 1972 enstand "Computer Networks: The Heralds of Resource Sharing", und es treten viele der wichtigen Protagonisten auf: J.C.R. Licklider erzählt die Rahmenhandlung, Bob Kahn beschreibt, wie IMPs das Rückgrat des Netzes bilden, und Frank Heart und Larry Roberts zählen die Vorteile einer Vernetzung auf. Spannend finde ich vor allem, dass Licklider das ganze Projekt nicht einfach nur als technische Herausforderung ansieht, sondern er schon recht plastisch die Vision einer Welt beschreibt, in der Informationen für alle leicht zu erreichen sind und auf diesem Wege Menschen auf eine völlig neue Art zusammen arbeiten und Gedanken austauschen können. Vor allem die Idee des freien Zugangs zu den Informationen ist meiner Meinung nach deutlich herauszuhören. Er hat wohl nicht mit den Institutionen gerechnet, die das etwas anders sehen...
Ach ja: Um Minute 16 herum sieht man einen jungen Mann an einem Terminal sitzen. Eigentlich kann's vom Alter her nicht passen, aber ich könnte schwören, dass das Larry Wall ist. Hier ein Fahndungsfoto zum Vergleich. Sachdienliche Hinweise werden im Kommentarbereich dieses Blogs entgegengenommen.
Update: Nein, es ist nicht Larry Wall. Wenn man sich den Einlog-Vorgang genauer ansieht, erkennt man, dass dort das Utah TENEX verwendet wird, und sich ein Benutzer "Murphy" anmeldet. Ein wenig gegoogle liefert dann eine Übersicht des ARPANETs von 1972, und die beiden hosts bei BBN gehörten Dan Murphy. Die Suche noch etwas verfeinert, und man landet schließlich auf seiner aktuellen homepage. Er war bei BBN für die Entwicklung von TENEX auf der PDP-10 verantwortlich, das er später bei DEC (heute HP, zwischenzeitlich mal Compaq) zum Betriebssystem TOPS-20 weiterentwickelt hat. Damals, als hardware noch diese Bezeichnung verdiente. Auch wenn's eine andere Baustelle ist, aber besonders schön finde ich ja das Schicksal dieser alten VAX...
Update 2: Google Video trägt das Label "Beta" wohl zu recht. Leider liefert der obige Link derzeit (22.3.2006) eine Fehlermeldung, aber keinen Film. Vielleicht haben zu viele Leute auf einmal darauf verlinkt, oder es hat sich doch noch ein Rechteinhaber gefunden, der was gegen die Veröffentlichung hatte. Daher als schwacher Trost der Verweis auf die zugehörige Seite auf Wikipedia.
Update 3: Inzwischen ist der Film wieder bei Google Video aufgetaucht, aber unter einer anderen ID. Und siehe auch meinen Folge-Artikel zu diesem Thema.
2006-02-23
Ketten-Blog-Massaker
Nee, is' klar... Das musste ja irgendwann mal kommen: Kettenbriefe in Blogs. Unter dem Begriff "Medienstöckchen" kursiert derzeit anscheinend der Trend, von einem Blogger mit der Beantwortung von ein paar Fragen beauftragt zu werden, und diesen Auftrag dann an vier weitere, noch völlig ahnungslose Opfer weiterzugeben. Immerhin dürfte das noch eine Weile so weitergehen, solange das Moore'sche Gesetz für Blogs gilt.
Und nun ist mir von Vella das Stöckchen zugeworfen worden. Es werden zwar keine Sanktionen angedroht, wenn man die Kette abreissen lässt, aber na gut... Here are the results of the Icelandic jury:
Vier Jobs, die ich in meinem Leben hatte:
- Zivildienstleistender in einer Werkstatt für psychisch Behinderte
- Systemadministrator
- Referendar
- Arbeitsloser
- Findet Nemo
- Le Fabuleux destin d'Amélie Poulain
- The One Where No One's Ready (Friends Season 3, Folge 2)
- The Sting (Futurama Season 5, Folge 9)
- Oppenwehe
- Jöllenbeck
- Vilsendorf
- schauen wir mal ...
Hier verweigere ich einfach mal die Aussage ...Vier Webseiten die ich täglich besuche:
- heise Newsticker
- Slashdot
- Google News (nachdem Yahoo News neulich umstrukturiert wurde)
- Paul, aka mudd1
- Stulle
- -- zu vermieten --
- -- this space for rent --
2006-01-23
Reise Reise
Es gibt Sätze, da denkt man, die würde man nie im Leben sagen. Heute habe ich bei meinen Eltern angerufen und gesagt: "Ich bin in Mannheim - schon wieder!" Wie konnte es dazu kommen? Völlige Desorientierung? Landflucht? Oder ist Mannheim vielleicht der Nabel der Welt?
Der gleichermaßen geneigte wie regelmäßige Leser wird sich erinnern, dass ich mich ja gerade beruflich umorientiere. Und dieses verlängerte Wochenende ging für zwei Vorstellungsgespräche drauf. Details werden an dieser Stelle aus taktischen Gründen natürlich nicht verraten, aber wen's interessiert kann mich gerne ausserhalb des Blogs fragen, und einige Kollegen werde ich sicherlich von mir aus damit behelligen.
Freitag war ich in der Nähe von Frankfurt, und weil das Unternehmen dann doch etwas ausserhalb des Bereiches lag, der gut per ÖPN/FV zu erreichen ist, nahm ich das Auto. Und wenn man schonmal in der Nähe von Frankfurt ist, dann ist Mannheim auch nicht mehr wirklich weit weg (zumindest aus Sicht von Bielefeld). Vor allem war es aber schon Abend, als das Gespräch zu Ende war, und da ich Barbara (die ich Babsi nennen darf, und bei der ich bis heute nicht verstanden habe, ob sie bei SAP für IBM oder bei IBM für SAP arbeitet - nur, dass sie ganz viele Chefs hat, fast mehr als Kollegen :) schon seit Ewigkeiten mal besuchen wollte, habe ich mich quasi selber bei ihr eingeladen. Ich glaube, sie ist eine viel bessere Gastgeberin als ich ein Gast bin. Noch mal vielen Dank und schöne Grüße. Wir sind ein wenig durch die Mannheimer Quadrate geschlendert, eine wirklich faszinierende Gegend (der Artikel bei Wikipedia ist fast genauso lang wie der zum Thema Relativitätstheorie, und die versteht ja schon kaum jemand), und waren anschließend lecker essen. Am Samstag habe ich mich dann wieder auf den Rückweg gemacht.
Am Montag hatte ich dann das nächste Gespräch, diesmal in Basel. (Bei genauerer Betrachtung hätte ich das vielleicht auch alles in einer Tour erledigen können, aber die gesparte Zeit wäre dann bestimmt für das Auseinandersortieren der Fahrtkostenabrechnungen draufgegangen...) Da das Gespräch am frühen Morgen veranschlagt war, bin ich am Sonntag gemütlich mit dem Zug gen Süden gefahren. Als ich am Abend ankam und mein Hotel gefunden hatte, bin ich noch ein wenig in der Nähe des Hotels herumgelaufen. Eigentlich dachte ich, ich hätte am nächsten Tag ein wenig Zeit für die Stadt. Vor allem, weil Basel über ein sehr dichtes Tram-Netz verfügt, und ich vom Hotel sogar ein mobility-Ticket bekam. Leider ... nein, "leider" ist das völlig falsche Wort ... auf alle Fälle hat das Gespräch deutlich länger gedauert, als ich erwartet hatte, und ich musste sogar meine Rückfahrt um eine Stunde nach hinten verschieben. So habe ich von Basel kaum etwas gesehen, und ich habe von meinen 100 SFr. (weniger wollte mir der Geldautomat nicht auszahlen) kaum etwas ausgegeben (obwohl, wenn ich das, was ich hier, nein hier, bezahlt habe, in Euro umrechne...). Zu guter Letzt hatte ich auf der Rückfahrt einen unerwarteten Zwischenstopp mehr - genau: in Mannheim, weil ich dort umsteigen musste.
So kam es, dass ich innerhalb von 48 Stunden ziemlich viel von Deutschland, ziemlich wenig von Basel, und Mannheim gleich zweimal gesehen habe. Wie die Geschichte ausgeht, werde ich dann demnächst mal erzählen...
2006-01-02
Neues Jahr - Neues Glück - Alte Arbeit
Der medial gebildete Westeuropäer weiß: Der Verbrecher kehrt immer an den Tatort zurück. Und so bin ich nach fünf Jahren Abstinenz für ein kurzes Intermezzo an den Lehrstuhl für Genetik bzw. an's CeBiTec an der Universität Bielefeld zurückgekehrt. Allerdings ist der Spaß wirklich nur von begrenzter Dauer und ich hoffe, bis April/Mai anderweitig eine dauerhafte Tätigkeit gefunden zu haben. Wer also von einer netten Stelle hört... Und ich bin auch nicht unbedingt an Bielefeld gebunden. Anders ausgedrückt: "Have (Perl|XML|LaTeX|Love) - Will Travel"!
Eine Diskussion im heise-Forum hat mich zwar leicht ernüchtert, auf der anderen Seite fand ich dann aber diese Stellenanzeige doch sehr ermutigend. Nein, nicht die Tatsache, dass dort mit MS-SQL gearbeitet wird, oder die etwas eigenwillige Schreibweise des Wortes "Entgeltabrechnung" (so einen Patzer sollte man sich mal in der Bewerbung leisten...). Nein, dass explizit jemand zwischen 35 und 45 Jahren gesucht wird. Gut, ist zwar auch eine Leitungsposition, aber es gibt anscheinend doch nicht nur Stellen für 22-Jährige mit 10 Jahren Berufserfahrung.
2005-11-30
Hilfe, EMail funktioniert nicht!
Nein, nein, keine Sorge: Meine EMail funktioniert ganz wunderbar. Aber vermutlich hat jeder Support-Kollege schon einmal eine EMail mit diesem oder einem vergleichbaren subject erhalten. Und jeder hat sich dann schon gefragt: "Und wie konntest Du dann diese EMail schreiben???"
Wenn Juristen und Technik aufeinandertreffen, kann man das ganze sogar rechtlich bindend machen. In den AGB eines nicht näher genannten Schulbuchverlages (ich habe gerade versucht, meine digitale Spur etwas auszudünnen), habe ich diesen netten Passus gefunden:
- Der Anbieter [der Verlag, Anm.] sendet dem Kunden unmittelbar nach Abschluß des Vertrages eine E-Mail mit den Kundeninformationen an die bei der Registrierung vom Nutzer angegebene E-Mail-Adresse.
- Der Nutzer [huch, eben war's doch noch der Kunde, Anm.] verpflichtet sich, den Anbieter unverzüglich unter bestell@xyzzy.de [Adresse geändert, Anm.] zu informieren, wenn diese E-Mail ihn nicht innerhalb von 4 Stunden nach Abschluß des Vertrages erreicht hat.
2005-11-27
Der Große Bruder und seine kleinen Geschwister
Es ist schon faszinierend, welche Maßnahmen neue Regierungen bei der Übernahme der Amtsgeschäfte als erstes einleiten. Die neue NRW-Regierung hat erstmal mit Volldampf alle Hürden für die Einführung von Studiengebühren aus dem Weg geräumt - auf die versprochenen 4000 Lehrer wartet man hingegen immer noch.
Und nun hat unser neuer alter Innenminister Wolfang Schäuble nichts besseres zu tun, als zu fordern, dass die zur Berechnung der Autobahnmaut erfassten Daten auch von den Strafverfolgungsbehörden genutzt werden können. Genau das war ja immer der Kritikpunkt aller Gegner dieser technisch völlig überkandidelten Lösung eines doch an und für sich so einfachen Problems. Immerhin hatte der Gesetzgeber vor einiger Zeit auf die Kritik reagiert: Die Formulierungen in Paragraph 4, Absatz 2 und Paragraph 7, Absatz 2 des Autobahn-Maut-Gesetzes sind erst nachträglich hinzugefügt worden. Wer sein Recht auf Informationelle Selbstbestimmung bisher immer zu leichtfertig an der Garderobe abgegeben hat, weil wir ja schließlich in einem Rechtsstaat leben (da macht schon niemand Unsinn mit meinen Daten), der wird jetzt ganz plötzlich eines besseren belehrt.
Witzigerweise wurde aber auch in dieser Woche demonstriert, wie man den Spieß umdrehen kann. Da sieht sich die CIA dem Vorwurf ausgesetzt, sie würde Gefangene per Flugzeug quer durch die ganze Welt transportieren. Wirklich überraschen sollte das niemanden, aber immerhin bequemen sich jetzt auch die europäischen Regierungen, mal ganz offiziell nachzufragen. Wann und wo Flüge stattgefunden haben, kann man aber mit Hilfe ganz vieler kleiner Großer Brüder wunderbar dokumentieren. Nimmt man die in den Nachrichten genannten Flugzeugkennungen, und sucht z.B. bei airliners.net danach, wird man ziemlich schnell fündig: Die Boeing 737 mit der Registrierung N313P wurde mehrfach auf Mallorca, in der Schweiz und Portugal gesichtet. Auch nachdem die Registrierung in N4476S geändert wurde, hat sie einmal Prag einen Besuch abgestattet. Der Gulfstream-Jet N379P war auch schon in Portugal zu sehen, nach seiner Umbenennung in N8068V hat auch er einen Stopp in der Schweiz eingelegt. Unter der aktuellen Bezeichnung N44982 ist er bisher nicht in der Datenbank zu finden, aber das ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.
2005-11-17
Bong Schur die Tour
Die Tour kommt. Nein, nein, nicht Le Tour, sondern die Deutschland Tour 2006. Und nu' ratet mal, wo die erste Etappe am 2. August endet? In Pillefeld am Wackelpeter, der Stadt die es garnicht gibt. Das müssen SIE sich ausgedacht haben!
Wer's nicht glaubt: Guckst Du hier (JPEG) oder hier (Real Media). Leider ist noch nicht ersichtlich, wie die Strecke genau verläuft und wo das Ziel sein wird. Vermutlich wird das erst kurz vor Eintreffen des Pelotons entschieden, je nach aktueller Baustellenlage.
2005-11-15
Been there - Done that - Got the T-Shirt
Erstmal herzlichen Dank für die vielen aufmunternden Worte, die mich in diesem Forum und auf anderem Wege erreicht haben. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Heute habe ich meine letzten Unterrichtsstunden gegeben, und das gibt mir nochmal Gelegenheit, das knappe letzte Jahr rückblickend zu betrachten. Zu den Motiven meines Ausstiegs habe ich ja schon was gesagt, das will ich hier nicht nochmal wiederholen. Aber vielleicht zu den Einblicken, die ich in dieser Zeit gewonnen habe.
Spätestens seit der ersten PISA-Studie der OECD ist das Thema Bildung in Deutschland ja eines der heissen Eisen, fast auf einer Stufe mit den Problemen Arbeitslosigkeit und Konjunktur. Jedem ist eigentlich klar, dass dringend was getan werden muss, aber irgendwie scheint sich niemand zu trauen, oder es hat bisher niemand das Patentrezept gefunden, das uns aus der Misere führt. Neben vielen anderen Aspekten spielt natürlich die Kompetenz der Lehrer eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche auf das (Berufs-)Leben vorzubereiten. Und ich denke, da hapert es gewaltig, zumindest was die Aussichten für die Zukunft angeht.
Der allgegenwärtige Sparzwang hat dazu geführt, dass es viel zu wenig Lehrer gibt, und dass diejenigen, die sich auf den Beruf des Lehrers einlassen, eine mehr als fragwürdige Ausbildung erhalten. Ich hatte im Referendariat 12 Wochenstunden Unterricht zu leisten - davon drei Stunden in Begleitung eines Ausbildungslehrers und neun Stunden eigenständigen Unterricht. Zwar gab es hin und wieder Unterrichtsbesuche (die von allen Referendaren gehasst werden, weil es letztendlich Prüfungen sind, die über die Abschlussnote entscheiden), aber sonst fand im Prinzip keine Kontrolle statt, was man in diesen neun Stunden trieb. In diesen "Bedarfsdeckenden Unterricht" wurde man bereits nach wenigen Wochen Referendariat geworfen, eine Zeit die kaum ausreicht, die gröbsten Fehler zu erkennen, geschweige denn zu beheben. Also (und ich spreche jetzt mal nur von mir) nimmt man etliche schlechte Angewohnheiten mit in den Unterricht, und diese schleifen sich dann durch stetige Wiederholung ein, ohne dass jemand da ist, der einen darauf aufmerksam machen könnte. Das Ergebnis kann sich jeder vorstellen... So wichtig und richtig ein früher Kontakt zur "Zielgruppe" und die eigene Unterrichtserfahrung ist - die Referendare dabei größtenteils alleine zu lassen ist eine unglaublich bescheuerte Idee.
Natürlich hängt eine andere Art der Ausbildung letztendlich nur von einem Faktor ab: Geld. Die vorhandenen Lehrer müssen entlastet werden, damit sie sich vor Ort in der Ausbildungsschule intensiver um die Referendare kümmern können. Das bedeutet, dass der reguläre Unterricht auf mehr Kollegen verteilt werden muss. Was sowieso sinnvoll ist: Ich habe an den beiden letzten Wochenenden erfahren, was es heisst, zwei Korrekturfächer zu unterrichten (also Fächer, in denen Arbeiten/Klausuren geschrieben und korrigiert werden müssen). Wie das Kollegen mit dem doppelten Stundenpensum durchstehen ist mir ein absolutes Rätsel. Und ich habe keinen Kollegen getroffen, der nicht irgendwo von dem Beruf und den steigenden Belastungen angefressen ist. Das Burnout-Syndrom ist bestimmt keine Modekrankheit, sondern eine knallharte Realität.
Vor diesem HIntergrund verwundert es also überhaupt nicht, wenn die Kultusministerkonferenz (Achtung: Web-Design wie vor 10 Jahren, hier ist die richtige Seite) beschließt, aus der OECD-Studie auszusteigen, die die Lehrer evaluieren soll. Das erschreckende Ergebnis wollte man sich wohl ersparen.
Gute Ausbildung kostet, und solange der Staat (und damit letztendlich wir als Gesellschaft) nicht bereit sind, Geld zu investieren - viel Geld - wird sich an der Misere nichts ändern. Und so werden wir uns wohl alle drei Jahre wieder über die neuste PISA-Studie ärgern. Dann wird den vorhandenen Lehrern zur Kompensation der Probleme noch mehr Arbeit aufgenötigt, und wir sinken tiefer und tiefer in den Schlamassel, ohne Hoffnung auf Rettung.
Aber wie gesagt: Das alles waren nicht die Gründe, warum ich das Handtuch geworfen habe. Allerdings: Gereicht hätten sie allemal...
2005-11-09
Und das war das...
Dieses Blog wurde ja vor allem zu dem Zweck eingerichtet, meinen Werdegang als Referendar zu dokumentieren. Und somit gehört auch diese Nachricht hier hinein: Ich werde mein Referendariat zum 15.11. beenden.
Wie konnte es soweit kommen? Ich bin öfters gefragt worden "Na, macht's noch Spass?" Die richtige Frage wäre eigentlich immer gewesen: "Na, macht's schon Spass?" Der Beruf des Lehrers hat seine schönen Seiten, ich habe eine tolle (wenn auch etwas weit entfernte) Schule bekommen, und durfte mit furchtbar netten Kollegen zusammenarbeiten (die ich hoffentlich nicht ganz aus den Augen verlieren werde). Aber wenn man merkt, dass Lehrer sein auch und vor allem heißt, anderer Leute Kinder zu erziehen, und man dafür kein Talent hat bzw. einem das einfach nicht liegt, dann sollte man diesen Beruf denjenigen überlassen, die das besser können (oder sich zumindest dazu berufen fühlen).
Natürlich habe ich mich vom Moment des Entschlusses an gefragt, ob dieser Schritt denn nun der richtige ist (vor allem, weil er endgültig und unumkehrbar ist). Aber dann musste ich mir nur vorstellen, diesen Beruf für die nächsten 30 Jahre auszuüben, und ich war mir wieder sicher, dass ein Ende mit Schrecken das kleinere Übel ist. Ich denke aber nicht, dass das letzte Dreivierteljahr verlorene Zeit war. Die gemachten Erfahrungen und die gewonnenen Einsichten möchte ich nicht missen. Und letztendlich: Ich musste es einfach ausprobieren um herauszufinden, dass es nicht das richtige für mich ist.
Noch kurz zu Chronologie (für alle, die Wetten abgeschlossen haben :). Ich stand ja schon mehrfach kurz davor, alles hinzuschmeissen (wie vermutlich viele Mit-Referendare auch, die aber nicht über den Luxus des Quereinstiegs verfügen). Ende Oktober war dann der Punkt erreicht, an dem ich mir nicht mehr einreden konnte, dass ich es noch packe. Nachdem ich meinen Schulleiter und die Seminarleitung informiert hatte, nahm die Entlassung ihren Lauf. Anschliessend wurden meine Hauptseminarleiterin und meine Fachseminarleiter informiert ("Der Unterricht, den ich gesehe habe, war doch ganz ordentlich." Na Danke, dass hätte man mir auch eher sagen können...). Das Hauptseminar wurde dann letzte Woche geschockt, vor allem weil sich gleich noch ein zweiter Kollege verabschiedete. Meine Schüler wollte ich eigentlich erst nächste Woche, in den letzten Stunden informieren. Dummerweise ist aber gestern was durchgesickert, so dass ich heute in den Kursen bestürmt wurde, ob das Gerücht stimmt. Lange konnte ich das Dementi nicht aufrechterhalten. Somit bin ich gespannt, wie die letzten Unterrichtsstunden vor diesem Hintergrund verlaufen werden.
Was nun kommt weiss ich noch nicht. Falls jemand eine Stelle zu vergeben hat, die zu meinen Neigungen und Fähigkeiten passt (als Systemadministrator, IT-Ausbilder/Trainer oder Blöde-Sprüche-klopfer-und-alles-besser-Wisser): Bitte melden. Oder um es mal mit einem T-Shirt-Aufdruck zu sagen: "Will TeX for Food!"
2005-10-16
neulich im Kino: "The Brothers Grimm"
Oder: Zuviel gewollt und zuwenig gekonnt.
Durch diverse Filmkritiken vorgewarnt, bin ich mit nicht allzu großen Erwartungen in den Film gegangen. Das war wohl auch gut so. "The Brothers Grimm" ist ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. An sich kann Terry Gilliam ja tolle Filme machen. "Brazil", "Twelve Monkeys" oder "The Fisher King" sind ja nun wirklich Aushängeschilder seines verschrobenen Humors - und das, obwohl es alles andere als Komödien sind.
Und auch Brothers Grimm hätte ein solcher Film werden können. So hanebüchend der Plot auch ist - Jacob und Wilhelm Grimm als Kämpfer gegen Dämonen, Geister, Hexen und dergleichen mehr - er hätte funktionieren können. Diverse Schauspieler liefern wirklich witzige Vorstellungen ab, z.B. Peter Stormare (ein Schwede, der einen Italiener spielt), oder Jonathan Pryce (ein Brite, der einen Franzosen spielt, und neben Mackenzie Crook noch aus "Pirates of the Carribean" bekannt ist, und schon in diversen anderen Gilliam-Streifen mitgespielt hat). Das Hauptmanko sind aber die beiden Hauptdarsteller. Vielleicht ist es ja gerade der Erfolg von "Pirates" gewesen, der irgendjemanden auf die Idee gebracht hat, Matt Damon und Heath Ledger genauso nuschelig und unverständlich brabbeln zu lassen, wie Johnny Depp als Captain Sparrow. Aber vielleicht sind die beiden Schauspieler einfach nicht zu mehr fähig - dass Depp mehr kann, hatte ich ja bereits vor einiger Zeit berichtet. Selbst wenn der durchschnittliche amerikanische Zuschauer nicht weiss, dass die Gebrüder Grimm sich bestimmt besser artikulieren konnten, weil sie eben nicht nur ihre Märchen gesammelt haben - ein derartiges Herumgestammele, bei dem man die Dialoge nur sehr bruchstückhaft mitbekommt, ist einfach nur nervig.
Leider bleibt aber auch das Drehbuch selbst hinter seinen Möglichkeiten zurück. Mit zwei oder drei richtig ekelhaften Szenen musste man natürlich rechnen, es ist halt immer noch Terry Gilliam. Was vielleicht etwas versöhnlich stimmen kann, ist die Ausstattung des Films. Na gut, ob Marbaden oder andere deutsche Städte wirklich so ausgesehen haben, sei mal dahingestellt, aber der Zauberwald ist schon recht nett. Und wer hat's gemacht? Die Tschechen haben's gemacht, der Film ist komplett in den Barrandov-Studios in Prag gedreht worden. Also dort, wo Pan Tau oder diverse andere Märchen verfilmt wurden. Aus technischer Sicht muss sich diese Produktion nicht hinter Filmen aus den USA oder Neuseeland verstecken.
Tja, Fazit: Wem "Van Helsing" gefallen hat, der soll sich "Brothers Grimm" ruhig ansehen. Allen andern empfehle ich "7 Zwerge", denn da wird gezeigt, wie deutsche Märchen richtig durch den Kakao gezogen werden.
2005-10-11
Veranstaltungshinweis
Zum Glück findet auch in diesem Semester wieder das RBG-Seminar
http://www.techfak.uni-bielefeld.de/ags/rbg/lehre/2005wise-392192/statt, das sich inzwischen zu einer festen Tradition entwickelt hat. Der Terminplan ist im Augenblick noch furchtbar leer, wird aber hoffentlich bald mit interessanten Vorträgen gefüllt werden. Einige Themen, die es in den letzten Semestern nicht geschafft haben, sind auf der obigen Seite zu finden. Weitere Dinge, zu denen ich gerne einmal einen Vortrag hören möchte, wären z.B.
- AJAX (Asynchronous Javascript and XML) (Original-Arbeit): Hype, Hokuspokus oder HieraufhatdieWeltnurgewartet?
- NASA World Wind vs. Google Earth: Was kann man alles damit machen?
- Aktuelle Pläne zur Vorratsdatenspeicherung (durch die EU, durch den zukünftigen Innenminister, wer immer das sein wird, usw.)
- Biometrische Merkmale in meinem Reisepass: Sollte mich das beunruhigen?
2005-10-08
Tue gutes ...
... und sprich darüber. Um die Arbeit der IETF etwas transparenter zu machen, gibt es ab jetzt das IETF Journal. Herausgegeben wird es von der ISOC, und es soll in Zukunft dreimal pro Jahr erscheinen. (Wilde Spekulation: Immer nach einem Meeting?)
Die Erstausgabe teilt sich - für eine Erstausgabe nicht ganz unüblich - in zwei Hälften: Einer kurzen Beschreibung der IETF und aktuellen Informationen der angrenzenden Organisationen einerseits, und einer Nachbesprechung diverser WGs auf der IETF 63 in Paris andererseits. Positiv fällt auf, dass die Artikel kurz und knapp sind. Ich denke, mit etwas Geschick kann sich diese Zeitschrift zu einem schönen Gegenstück zu Ciscos Protocol Journal entwickeln, das ja eher längere und technisch detailierte Artikel bringt. Und schön ist, dass man einigen seit Jahren bekannten Namen jetzt endlich mal ein Gesicht zuordnen kann. Und dass man nachlesen kann, was Leute, mit denen man jahrelang Tür an Tür gearbeitet hat, denn heute so treiben :)
2005-09-27
Frechheiten
Auf diesen Tag habe ich gewartet. Irgendwie habe ich immer damit gerechnet, dass irgendjemand mal zugibt, dass wir Quereinsteiger eigentlich unerwünscht und vor allem ungeeignet sind, und heute ist es endlich passiert.
Ich war heute auf der Jahrestagung des MNU-Landesverbandes Westfalen (ja, die Web-Seite sieht tatsächlich so krank aus), und musste mir von einem Herrn Psarski von der Bezirksregierung Arnsberg zum Thema Informatik-Referendare sinngemäß anhören: "In letzter Zeit sind ja Informatik-Quereinsteiger zu mir gekommen, die aus ihren ursprünglichen Berufen entlassen wurden, die dann aber gleich gesagt haben, dass sie Schule ja nur als Notlösung ansehen. Diese Leute können von ihren didaktischen Fähigkeiten mit echten Lehrern natürlich nicht mithalten. Und das bisschen Fachwissen, dass können sich echte Lehrer als Autodidakten sowieso viel besser aneignen." Am meisten ärgert mich im Nachhinein, dass ich nicht einfach aufgestanden und rausgegangen bin.
Das beste war nämlich, dass wir am Vormittag ein wunderschönes Beispiel für die Kenntnisse und Fähigkeiten dieser Autodidakten bekommen haben. Thema eines anderen Vortrags war "Netzwerkgrundlagen und Client-Server-Applikationen". Das die Form mehr als zu wünschen übrig lies (48 zum Teil unleserliche Folien in einer knappen Stunde), kann ich als pädagogischer Laie natürlich nicht beurteilen (auch wenn eine solche Darbietung in einem meiner Uni-Seminare von mir passend kommentiert worden wäre). Viel spannender war für mich aber zu sehen, welche merkwürdigen Vorstellungen und urban legends entstehen, und viel schlimmer: unterrichtet werden, wenn solche Autodidakten sich damit befassen. Da wird z.B. "der Weg einer Mail" mit Hilfe von traceroute erläutert (schon mal was von A- und MX-Records gehört?). Da wird behauptet, der IP-Header enthielte die Adresse des nächsten Routers (gemeint ist wohl, dass die link-layer-Adresse des next hop im entsprechenden header steht). Und da wird die Kommunikation über sockets mit Hilfe von FTP erläutert, natürlich ohne auf die Besonderheit von control connection und data connection einzugehen, was dieses Protokoll so ziemlich zum schlechtesten Einstiegsbeispiel unter den "klassischen" TCP/IP-Protokollen macht. Von der üblichen Leichtgläubigkeit (da müssen wir einfach nur Verschlüsselung einsetzen, dann ist das sicher) will ich garnicht erst schreiben...
Die Tatsache, dass ich mein im vorherigen Beruf erworbenes Wissen bisher nur sehr spärlich als Lehrer einsetzen konnte, ist mit ein Grund für die hin und wieder auftretenden Frust-Attacken. Erlebnisse wie das heutige können mir aber eigentlich nur die Hoffnung geben, dass dieses Wissen sinnvoll eingebracht werden kann, ja sogar dringend gebraucht wird.
2005-09-10
Die Tage werden kürzer, die Wochen werden länger
So kommt es mir zumindest vor. Nachdem alle meine Schüler wieder wohlbehalten nach Steinheim zurückgekehrt sind, ist heute die erste richtige Woche voll Unterricht zu Ende gegangen. Genau: Heute ist Samstag. Nach dem Seminar Erziehungswissenschaften am Vormittag war ich am Nachmittag noch in meiner Schule, die heute einen Sponsorenlauf veranstaltet hat.
Und: So ein richtiges Ende der Woche gibt es eigentlich überhaupt nicht. Der Sonntag muss für die Planung der nächsten Stunden herhalten. Ich weiss auch nicht, eigentlich sollte es nach den Ferien ja ganz anders laufen. So mit langfristiger Planung, damit ich immer weiss, was ich in den nächsten Wochen machen will und wo ich bis zur nächsten Klausur hin muss. Aber jetzt bin ich schon wieder in dem Trott, mich von Stunde zu Stunde zu hangeln. Immerhin geht es nicht nur mir so, sondern auch dem einen oder anderen Referendarskollegen. Und ich habe die leichte Hoffnung, dass sich der Zustand demnächst bessern könnte. Entweder, weil ich langsam besser mit dem Stoff vertraut werde, oder weil ich merke, dass es so einfach nicht mehr weitergehen kann.
Und dann bin ich unschlüssig, wie ich die aktuellen Meldungen über den Lehrermangel bewerten soll. Einerseits verbessert das natürlich die Aussicht, nach dem Referendariat übernommen zu werden. Andererseits drückt es aber die Motivation, dass man im Prinzip auch mit einem mieserablen Abschluss noch Chancen hat. Niemand wird gerne mit Nieten in einen Topf geworfen, völlig unabhängig davon, ob man selber eine ist oder nicht. Wenn man sich schon jetzt auf Sprüche wie "Sie haben Ihr Examen wohl im Lotto gewonnen!" einstellen kann, macht das nicht unbedingt Lust auf den Beruf.
Im Prinzip hat die Politik zwei Möglichkeiten, auf die Situation zu reagieren: Entweder wird der Beruf des Lehrers "entstresst", um wieder mehr Bewerber zu gewinnen, oder den vorhandenen Lehrern wird noch mehr Arbeit aufgehalst. Sollen wir mal eine Prognose wagen???
2005-09-02
neulich im Kino: "Charlie and the Chocolate Factory"
Kino-Trailer gehören verboten! Entweder sie nehmen alle guten Szenen eines Films vorweg und man quält sich dann im Kino durch den Rest. Oder sie haben kaum etwas mit dem Film zu tun, und um ein Haar verpasst man zwei Stunden richtig gute Unterhaltung. "Charlie and the Chocolate Factory" und die zugehörige Werbung gehören zur letzten Kategorie.
Die Geschichte von Roald Dahl, die schon öfters verfilmt und auch schon manches mal veralbert wurde, ist eigentlich recht einfach gestrickt. Der Schokoladenfabrikant Willy Wonka lädt fünf Kinder in seine Fabrik ein. Vier davon sind wahre Kotzbrocken, denen im Laufe des Films der eine oder andere Unfall passiert. Nur ein Kind ist gut, nett, wohlerzogen - und bettelarm. Soweit zum offensichtlich moralisch erhobenen Zeigefinger, der heute vielleicht etwas antiquiert wirkt (nicht unbedingt ist). Was den Film absolut sehenswert macht ist nicht die Geschichte, sondern wie sie erzählt wird.
Hat Johnny Depp eigentlich schon mal eine halbwegs normale Rolle gespielt? Als exzentrischer Willy Wonka lebt er in seiner eigenen Welt und wirkt völlig durchgeknallt, lässt dann aber urplötzlich und ohne Vorwarnung die tollsten Sätze vom Stapel. Regisseur Tim Burton arbeitet nicht nur zum wiederholten Male mit Depp zusammen, sondern hat auch wieder seinen Stamm-Komponisten Danny Elfman für die Musik verpflichtet. Die meisten Liedtexte stammen von Dahl, werden aber auch schon mal mit moderner Musik unterlegt.
Und gerade bei den Musiknummern tritt der heimliche Star des gesamten Films in den Vordergrund: Deep Roy. Obwohl dieser Schauspieler in den letzten 30 Jahren oft nur für Augenblicke in Nebenrollen zu sehen war (in einem der schlechteren "Pink Panther"-Film, oder als Besitzer der Rennschnecke in der Unendlichen Geschichte), fällt er durch seine Körpergröße von etwas mehr als 1,30 Meter auf. In diesem Film spielt Roy sämtliche Oompa-Loompas, die fleißigen Arbeiter der Schokoladenfabrik. Laut imdb.com waren es 165 Rollen, und kaum zwei sind wirklich identisch, jeder hat eine eigene Persönlichkeit. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie Burton diesem Schauspieler die Möglichkeit gibt, sich einmal richtig auszutoben und sein Können zu zeigen.
Auch diesen Film kann ich nur empfehlen (ich glaube, über andere würde ich garnicht erst schreiben...). Wenn man sich nicht an der im Grunde simplen Story stört, sondern sich an einem wirklich super gemachten Film erfreuen will (der zudem bis in die kleinsten Rollen mit grandiosen Schauspielern besetzt ist), dann sollte man sich von dem Trailer nicht abschrecken lassen und sich für zwei Stunden in die Welt von Willy Wonka entführen lassen.
2005-08-27
Ich bin noch da...
Der eine oder die andere kennt das vielleicht: Man ist gespannt wie ein Flitzebogen, weil ein großes Ereignis bevorsteht, und dann kommt alles ganz anders. Und die Spannung entlädt sich dann in die merkwürdigsten Gedanken und Überlegungen. Aber der Reihe nach.
Im kommenden Schuljahr habe ich das Vergnügen mit zwei parallelen Kursen Mathematik in der Stufe 11 und einem Differenzierungskurs Informatik/Mathematik der 10. Klassen. Dummerweise haben die 11er in den ersten beiden Wochen Berufs-Praktikum, und die 10er in der zweiten Woche Klassenfahrten. Mit anderen Worten: Ich werde in den ersten zwei Wochen genau drei Stunden Unterricht geben, bzw. habe diesen bereits erteilt. Damit habe ich viel mehr freie Zeit (nicht unbedingt Freizeit) als erwartet, und viel mehr Zeit für schräge Gedanken. Zum Beispiel: Was machst Du hier eigentlich? Willst Du wirklich Lehrer werden? Wirklich wirklich? Wie ziehst Du Deinen Unterricht auf? Was kommt dran? In welcher Reihenfolge? Was müssen die Schüler bis zur ersten Klausur unbedingt können? Nicht, dass ich mir diese letzten Gedanken nicht sowieso hätte machen müssen. Aber ohne weitere Ablenkung, mit immer mehr Abstand zum letzten eigenen Unterricht nahm der Selbstzweifel doch ziemlich bedrohliche Ausmaße an.
Inzwischen scheint die erste Sinnkrise des neuen Schuljahrs überwunden. Es wird aber bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Geholfen hat der erste Seminartag und die Erkenntnis, dass es vielen Kollegen ähnlich geht wie mir. Naja, sobald der Berufsalltag so richtig losgeht, verflüchtigen sich diese diffusen Zweifel endgültig und werden durch ganz handfeste Sorgen, Probleme und Stress ersetzt...
2005-08-12
Ein Scheibe geröstetes Weißbrot gefällig?
NetBSD ist vermutlich das am meisten unterschätzte Betriebssystem der Welt. Aber das wird sich jetzt ändern, denn nur NetBSD konnte diese letzte Hürde bei der Entwicklung des Menschen vom Affen zum Geek nehmen: NetBSD läuft jetzt auch auf einem Toaster!
Damit wir uns richtig verstehen: Das ist nicht einfach ein Toaster-Gehäuse mit einem Rechner. Das kann jeder PC-Schrauber, der weiß, wo beim Lötkolben die spitze Seite ist. Es ist ein voll funktionsfähiger Toaster, der dazu dient, Brot in Holzkohle zu verwandeln. NetBSD wurde um Treiber erweitert, die die Temperatur messen und den Röstvorgang entsprechend dem vom Benutzer gewünschten Grad der Verkokelung steuern.
Hergestellt wurde der Toaster von Technologic Systems. Der Öffentlichkeit präsentiert wurde er während der LinuxWorld (wie passend). Auf einem der Bilder steht der Toaster auf einem Amiga 2000. Das ist noch viel passender, bedenkt man doch, dass einer der am meisten unterschätzten Computer nicht zuletzt durch den Video Toaster der Firma NewTek sein Potential zeigen konnte. Dieser Verbindung verdanken wir Fernsehserien wie "Babylon 5" oder "SeaQuest DSV". Und so schließt sich der Kreis...
2005-08-06
klick klick klick
Alle neuen Trends kommen ja bekanntermaßen aus den Juuu-Essss-Ähhh (guckst Du hier: 6 MB oder 2,5 MB). Aber wie Vella richtig fragte: Muss man wirklich alles mitmachen?
CNet (via slashdot) berichtet über "clicker". Das sind kleine Geräte, die frappierende Ähnlichkeit mit einer Fernbedienung haben. Sie können im Unterricht von Schülern oder Studenten eingesetzt werden, um vom Lehrer gestellte Fragen zu beantworten oder Meinungsbilder einzuholen. Hersteller solcher Geräte gibt es inzwischen eine ganze Menge, nur anscheinend konnte man sich noch nicht auf eine einheitliche Bezeichnug einigen: Personal Response System (PRS), Classroom Performance System (CPS), oder auch Audience Response System (kein Akronym? Seltsam, seltsam... :).
Nach Meinung der Hersteller ist es mit Hilfe dieser Technologie möglich, sich unmittelbar einen Überblick über den Wissensstand und den Lernerfolg aller Schüler zu verschaffen, siehe dazu das Video (Windows only ...) beim ersten der oben genannten Anbieter. Die Frage ist, ob das eine gute Idee ist. Einerseits kann ich die Motivation verstehen. Man weiß nie genau, ob das bei den Schülern (oder Studenten) angekommen ist, was man wollte. Vor allem, ob nur einzelne mitgekommen sind, die meisten oder alle, ist (zumindest für mich im Augenblick) immer sehr schwer einzuschätzen.
Andererseits scheint diese Art der Lernkontrolle nur gut in Kombination mit einer Unterrichtsform zu funktionieren: Frontalunterricht. Und den sollte man in der Schule nur an einigen wenigen, wohlbegründeten Stellen einsetzen und sonst möglichst vermeiden (so zumindest die allgemeine Ansicht, soweit ich das bisher mitbekommen habe). Und die Fragen sind fast unweigerlich Multiple-Choice-Tests, was eine noch viel größere Sünde ist als Frontalunterricht. Außerdem weist der slashdot-Artikel zu Recht darauf hin, dass stille Schüler noch darin bestärkt werden, lieber den Mund zu halten. Und die ohnehin schon spärlichen verbalen Kompetenzen bei etlichen Jugendlichen werden durch so ein System sicherlich auch nicht gerade gefördert.
Also, ich bin da sehr skeptisch... Zu diesem Thema würde mich wirklich die Meinung meiner kleinen (zahlenmäßig, natürlich :) aber elitären Leserschaft interessieren. Schreibt doch mal einen Kommentar, was Ihr von solchen Geräten haltet, und ob Ihr sie gerne in der Schule oder der Uni gehabt hättet.
2005-07-31
Achtung Werbung!
Statt einem richtigen Artikel gibt's heute etwas Werbung. Am letzten Freitag war System Adminstrator Appreciation Day, und wer seinen Sysadmin bei Laune halten will, lässt ihm oder ihr hin und wieder eine Aufmerksamkeit zukommen. ThinkGeek hat jede Menge Zeug, dass niemand wirklich braucht, aber um das einen jeder beneiden wird: Den Schweizer-Armee-USB-Stick, einen nichtlizensierten grünen Laserpointer, für den man eigentlich einen Waffenschein bräuchte, oder ein Aquarium mit USB-Anschluss.
Doch was würde man einem Mathematiker schenken? (Die Antwort auf die Frage, warum es keinen Mathematician Appreciation Day gibt, sei dem Leser als einfache Übung überlassen.) Wie wäre es mit einer Kleinschen Flasche, einem Gegenstand mit nur einer Seite, d.h. keiner ausgezeichneten Aussen- oder Innenseite? Erhältlich sind sie in verschiedenen Formen, Farben und Größen bei ACME Klein Bottles, der Firma von Clifford Stoll (dem Autor von "The Cuckoo's Egg", deutsch "Kuckucksei", und meinem absoluten Lieblingszitat: " 'Wir beobachten jemanden, der noch nie Berkeley-Unix verwendet hat.' Dann hielt er den Atem an und flüsterte: 'Ein Heide.' "). Die Kaffeetasse sieht doch richtig praktisch aus... Ach ja: Unbedingt die Stellenausschreibungen der Firma lesen!
2005-07-14
Le Tour à trois dimensions
Bonjour le Tour!
Nachdem Google nicht nur das Programm "Google Earth" freigegeben hat, sondern netterweise auch gleich noch die Spezifikation für die Keyhole Markup Language, kann man nun beliebige Punkte der Welt genauer in Augenschein nehmen und sogar mit eigenen Informationen überlagern. Und wenn dann noch die ARD gemeinsam mit MagicMaps die Etappen der Tour de France 2005 als GPS-Koordinaten zur Verfügung stellt, dann sind die folgenden Bilder nur noch ein paar Zeilen Perl entfernt:
Die 8. Etappe von Pforzheim nach Gérardmer verlief durch den Schwarzwald.
Die 14. Etappe führt die Fahrer in die Pyrenäen.
Die 15. Etappe geht über mehrere schwere Gipfel der Pyrenäen, wie man sehen kann, wenn man der Route folgt:
Etappe 15, Übersicht
Mit der Animationsfunktion von Google Earth kann man die Routen abfliegen, so wie es die Fernsehsender in ihren Sendungen machen. Zum Selberausprobieren stelle ich die 21 Etappen als KML-Dateien zur Verfügung. Einfach in Google Earth mit "Open..." laden.
Die 8. Etappe von Pforzheim nach Gérardmer verlief durch den Schwarzwald.
Die 14. Etappe führt die Fahrer in die Pyrenäen.
Die 15. Etappe geht über mehrere schwere Gipfel der Pyrenäen, wie man sehen kann, wenn man der Route folgt:
Etappe 15, Übersicht
Mit der Animationsfunktion von Google Earth kann man die Routen abfliegen, so wie es die Fernsehsender in ihren Sendungen machen. Zum Selberausprobieren stelle ich die 21 Etappen als KML-Dateien zur Verfügung. Einfach in Google Earth mit "Open..." laden.
2005-07-12
APUE2e
Wie gerade auf slashdot berichtet wurde, gibt es eine neue Auflage von "Advanced Programming in the UNIX Environment". Da Richard Stevens bekanntermaßen keine Bücher mehr schreiben kann, wurde dieses Standardwerk von Stephen Rago überarbeitet. Ich weiß nicht, aber irgendwie finde ich den Dilbert auf dem Cover einfach nur genial...
2005-07-06
Hallo Leute, es sind Ferien...
...und mit viel Tam-Tam startet wieder unser Ferienprogramm. Die älteren Leser erinnern sich noch :)
Die ersten drei Monate Unterricht sind vorbei, und wir Referendare haben es tatsächlich überlebt. Ich habe gestern meine Klassen/Kurse erfahren (die ich hier aber leider noch nicht nennen darf), in denen ich nach den Ferien eigenständigen Unterricht geben werde. Die Aufgabe scheint lösbar zu sein, vor allem wenn ich mich in den nächsten Wochen endlich etwas ausführlicher vorbereiten kann.
Als Lehrender an der Universität fand ich die von der Fachschaft durchgeführte Evaluation der Veranstaltungen immer sehr aufschlussreich. Aus diesem Grund habe ich in der letzten Stunde in meiner 9. Klasse einen ähnlichen Fragebogen ausfüllen lassen. Anscheinend kann man es nicht allen recht machen: Einige fanden den Unterricht gut, andere langweilig. Einige haben was gelernt, andere meinen, sie hätten nichts verstanden. Einig waren sich im Prinzip alle, dass ich mich besser durchsetzen muss, vor allem bei Störungen im Unterricht. Die besten O-Töne:
- "Referendare haben es immer schwerer."
- "Einfach immer locker bleiben."
- "Sie sind, denke ich, trotzdem ein netter Kerl, auch wenn Sie Mathelehrer geworden sind."
2005-06-29
neulich im Kino: "The Hitchhiker's Guide to the Galaxy"
Ich war schon lange nicht mehr so gespannt auf einen Film wie auf diesen. Zwischen totalem Schrott und genialer Offenbarung war so ziemlich alles möglich.
Wer mit der Erwartung ins Kino geht, eine werksgetreue Verfilmung zu sehen, muß unweigerlich enttäuscht werden. Denn um welches Originalwerk sollte es sich dabei handeln? Das Hörspiel? Das Buch? Die Fernsehserie? Das Computer-Spiel? Da Douglas Adams kurz vor seinem Tod noch an dem Drehbuch mitarbeiten konnte, war klar, dass der Zuschauer eine weitere Variation der Abenteuer von Arthur Dent, Ford Prefect, Zaphod Beeblebrox, Trillian und natürlich Marvin erleben würde. Es ist einfach unmöglich, alle kleinen Gags und skurrilen Anekdoten der Bücher direkt in den Film zu übernehmen. Wer das Buch nicht gelesen hat, kann sich über die völlig verdrehte Geschichte amüsieren, aber wer das Buch (bzw. die Bücher) kennt, wird viele Details finden, die ohne weitere Erklärung vorbeirauschen. Teilweise werden auch andere Werke von Adams verarbeitet, z.B. im Lebensstil der Vogonen.
Im Vergleich zu den bisherigen Adaptionen gibt es viele Dinge, die besser umgesetzt wurden, als jemals zuvor. An einigen Stellen (z.B. dem Vogonen-Raumschiff) sieht das Set gewollt nach Filmstudio aus, aber in anderen Szenen (vor allem auf Magrathea oder auf dem Vogonen-Planeten) kommt aktuelle Computergrafik zum Einsatz, wie wir sie inzwischen aus anderen Filmem gewohnt sind. Die Sequenz nach dem Einsatz des unendlichen Unwahrscheinlichkeitsantriebs ist ein absoluter Hammer (mehr wird hier nicht verraten, das muss man einfach selber gesehen haben). Zu kritisieren gibt es eigentlich nur einen Punkt: Die Animationen aus dem "Anhalter" können mit den liebevoll gezeichneten Sequenzen aus der Fernsehserie nicht einmal ansatzweise mithalten.
Alles in allem ist der Film rundum zu empfehlen. Bleibt nur zu hoffen, dass in einem halben Jahr eine anständige Fassung auf DVD erscheint. Was man da alles an Bonusmaterial mitliefern könnte...
Live aus dem Unterricht
Jetzt wird zurückgeblogt. Beispiele gefällig?
- Jule
- Erik
- News über Dortmund
- Abi 09
- Niger
- Verliebt in Berlin
- welling (boah, ist das dreist :)
2005-06-28
Die Jugend von heute...
In den letzten Wochen habe ich im Differenzierungskurs Informatik der Klassen 9 ein wenig zugeschaut. Aufgabe war die Erstellung einer kleinen Web-Site aus vier bis fünf Seiten zu einem mehr oder weniger frei gewählten Thema. Und das ist dabei herausgekommen:
Da es sich bei dem Kurs genaugenommen um einen kombinierten Informatik- und Erdkundekurs handelt, lag das Thema "ferne Länder" recht nahe (ähh... egal). Wie wäre es mit einem Urlaub in Italien? Der Niger ist vielleicht nicht unbedingt ein Urlaubsziel, aber die Probleme in Afrika gehen uns alle an.
Sport spielt eine ganz große Rolle. Man kann ihn entweder aktiv betreiben, z.B. in Form von fernöstlicher Kampfkunst oder Skateboarding, oder eher passiv als Zuschauer. Einsamer Favorit dabei ist ganz offensichtlich Fußball: Hier geht's nach Dortmund zum BVB, der Confederations Cup ist schon so gut wie vorbei, aber die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr steht uns noch bevor. Nur wieso hat eigentlich niemand den beliebten Erstligaverein aus der Region genommen? Verstehe ich nicht...
Dann gäbe es noch diverse Formen der Unterhaltung. Man kann Musik hören, z.B. den australischen Dauerbrenner AC/DC, oder man kann selber Musik machen, wie die Band "Delirium". Man kann sich zwei Stunden im Kino Weltraumschlachten ansehen (aber das Thema wurde in diesem Blog ja bereits ausgiebig behandelt), oder man kann sich auch einfach vor den Fernseher hocken und sich eine beliebte Sitcom ansehen (nein, ausnahmsweise ist es einmal nicht diese).
Früher schraubten Jugendliche an ihren Mofas, heute schrauben sie an ihren PCs oder anderen elektronischen Geräten. Case-Modding nennt sich das ganze, wobei ich ja auf Mini-ITX-Boards als Ausgangsmaterial setze. Um an der eigenen Beziehung zu schrauben, helfen vielleicht ein paar Ratschläge weiter, und es ist bestimmt von Vorteil, immer hip und up-to-date sein. Aber vielleicht muß man garnicht in die Ferne schweifen, der Schüleralltag in der eigenen Klasse ist vielleicht auch schon spannend genug.
2005-06-19
neulich im Kino: "Batman Begins"
Früher fingen Märchen an mit "Es war einmal". Seit einiger Zeit scheint das Motto für einen Kino-Film zu sein "Es wird einmal". Das Wort des Jahres, das der geneigte Kinogänger unbedingt kennen muss, lautet "Prequel".
Nachdem uns in "Episode III" die Vorgeschichte zu "Star Wars" erzählt wurde, hört "Batman Begins" da auf, wo "Batman" von 1989 anfängt. Aber im Gegensatz zu George Lucas' Jedi-Dämmerung gelingt hier der Versuch, eine schlüssige Vorgeschichte zu finden, und dabei einen unterhaltsamen Film zu machen.
Anders als andere Superhelden musste Batman ja schon immer ohne Superkräfte oder genetische Veränderungen auskommen, allerdings konnte er immer auf ein reichhaltiges Arsenal von Erfindungen zurückgreifen. Der typische Entwicklungsprozeß, inklusive der unvermeidlichen Fehlschläge, wird schön dargestellt (Probefahrt im neuen Batmobil. "So what you do you think?" - "Does it come in black?"). Die innere Zerissenheit von Bruce Wayne, der seine Angst überwindet, und für den Rache nicht fremd ist, ist von einer ganz anderen Qualität als die von Peter Parker/Spiderman.
Wie eben schon erwähnt, ist der Film trotz einer Länge von 140 Minuten unterhaltsam. Und das, obwohl es ein durchweg ernster Film ist. Es gibt ein paar lustige Sätze (fast alle von Michael Caine oder Morgan Freeman), aber das war's dann auch schon. Dieser Film hat nichts mehr gemeinsam mit den knallbunten Batman-Filmen der 90er Jahre (mit Pinguinen und Katzen, Men in Black oder dem Gouvernator), und erst recht nicht mit dem Real-Comic mit Adam West ("Holy atomic pile, Batman!", "Let's go, Robin. We've set another youth on the road to a brighter tomorrow."). Es gibt eine Reihe von Prügel-Szenen, denen man aber kaum folgen kann, weil sich die Kamera fast immer inmitten der Teilnehmer befindet. Es gibt einige recht verstörende Szenen, die die Freigabe ab 12 etwas zweifelhaft erscheinen lassen. Aber abgesehen davon wird eine tolle Atmosphäre erzeugt. Der Anfang des Films in einem fernöstlichen Kloster in den Bergen (gedreht auf Island), aber vor allem der Zerfall von Gotham-City wird mit atemberaubenden Bildern dargestellt. Laut imdb.com hat Regisseur Christopher Nolan der Crew vor Drehbeginn "Blade Runner" gezeigt, und genau daran muss man während des Films unweigerlich denken. Und während man bei den Star-Wars-Filmen einfach weiß, dass Coruscant am Computer erstellt wurde, ist man sich hier nie so ganz sicher, wo Kulissen, Aufnahmen existierender Städte oder Computergrafik zum Einsatz kamen.
Insgesamt kann ich den Film empfehlen. Weitere freudige Überraschung: Cinestar hat das mit den Originalfassungen inzwischen etwas besser verstanden. Die Trailer zu den kommenden Filmen waren diesmal ebenfalls auf Englisch. Und dabei deutete sich schon das nächste Prequel an: "Pink Panther" mit Steve Martin ("He was found dead." - "Was it fatal?" - "Yes." - "How fatal?" - "Completely!"). Und so heisst es auch in Zukunft "Nach dem Film ist vor dem Film". Die Verfilmung von "The Hobbit" durch Peter Jackson ist ja angeblich schon beschlossene Sache, und er dreht bestimmt schon heimlich das "Silmarillion". Wir werden vermutlich detailiert erfahren, wie die Matrix enstanden ist, und wenn nach sieben Harry-Potter-Filmen das Publikum nach mehr verlangt, wird sicherlich die Entstehungsgeschichte von Hogwarts einen mehrteiligen Blockbuster abwerfen. In diesem Sinne: Wir sehen uns Gestern!
2005-06-04
Instant-Modelle
Für richtigen Modellbau habe ich im Augenblick leider keine Zeit. Aber da ich mir sowieso mal das easykit-System von Revell ansehen wollte, habe ich bei der aktuellen Serie zu Star Wars "Episode III" zugegriffen.
Sith happens
Das Prinzip der easykit-Modelle ist, dass sie bereits fertig lackiert sind und ohne Klebstoff einfach nur zusammengesteckt werden. Mit klassischem Modellbau hat das ganze nur noch insofern zu tun, als die Einzelteile nach wie vor aus einem Spritzgussrahmen geschnitten und entgratet werden müssen. Also Basteln für Warmduscher...
Obi Wan's Flitzer
Ich habe mich für Obi Wan's Raumschiff vom Typ Eta-2 Actis entschieden. Das fertige Modell sieht ganz nett aus und hat eine ordentliche Größe. Die Farbgebung ist wirklich gut gemacht, selber würde man das kaum so hinbekommen. Es handelt sich nicht um farbigen Kunststoff, sondern wirklich um einen Farbauftrag. Ob es allerdings aufgemalt oder aufgedruckt ist, oder beide Verfahren angewendet wurden, kann ich nicht sagen.
Angriff!!
Man kann sogar etwas mit dem Modell spielen. Die Flügel lassen sich aufklappen und das Cockpit kann geöffnet werden (Obi Wan ist übrigens aus Gummi, was den Vorteil hat, dass er auch ohne Kleber relativ unbeweglich in seinem Sitz bleibt). Blöderweise ist die Aufhängung der Winglets so schwach, dass man das Modell nicht mehr hinstellen kann. Noch blödererweise liegt der Schwerpunkt dann so ungünstig, dass das obige Arrangement sehr viel wackliger ist als man es anhand des Fotos erahnen könnte.
kleine Fehler
Da das Modell einerseits vorbemalt ist, aber andererseits die Teile noch ausgeschnitten werden müssen, lassen sich hässliche Stellen ohne Farbe kaum vermeiden. Diese R4-Einheit ist vermutlich schon in einigen Raumschlachten gewesen und müsste mal wieder überholt werden.
Insegesamt ist das Modell ein netter Zeitvertreib. Der Spielwert ist meiner Meinung nach allerdings deutlich geringer als z.B. bei den Lego-Modellen. Aber da bisher keine Mini-Modelle zu Episode III angekündigt sind, und der Jawa Sandcrawler nun wirklich keinen Platz mehr bei mir hätte...
Sith happens
Das Prinzip der easykit-Modelle ist, dass sie bereits fertig lackiert sind und ohne Klebstoff einfach nur zusammengesteckt werden. Mit klassischem Modellbau hat das ganze nur noch insofern zu tun, als die Einzelteile nach wie vor aus einem Spritzgussrahmen geschnitten und entgratet werden müssen. Also Basteln für Warmduscher...
Obi Wan's Flitzer
Ich habe mich für Obi Wan's Raumschiff vom Typ Eta-2 Actis entschieden. Das fertige Modell sieht ganz nett aus und hat eine ordentliche Größe. Die Farbgebung ist wirklich gut gemacht, selber würde man das kaum so hinbekommen. Es handelt sich nicht um farbigen Kunststoff, sondern wirklich um einen Farbauftrag. Ob es allerdings aufgemalt oder aufgedruckt ist, oder beide Verfahren angewendet wurden, kann ich nicht sagen.
Angriff!!
Man kann sogar etwas mit dem Modell spielen. Die Flügel lassen sich aufklappen und das Cockpit kann geöffnet werden (Obi Wan ist übrigens aus Gummi, was den Vorteil hat, dass er auch ohne Kleber relativ unbeweglich in seinem Sitz bleibt). Blöderweise ist die Aufhängung der Winglets so schwach, dass man das Modell nicht mehr hinstellen kann. Noch blödererweise liegt der Schwerpunkt dann so ungünstig, dass das obige Arrangement sehr viel wackliger ist als man es anhand des Fotos erahnen könnte.
kleine Fehler
Da das Modell einerseits vorbemalt ist, aber andererseits die Teile noch ausgeschnitten werden müssen, lassen sich hässliche Stellen ohne Farbe kaum vermeiden. Diese R4-Einheit ist vermutlich schon in einigen Raumschlachten gewesen und müsste mal wieder überholt werden.
Insegesamt ist das Modell ein netter Zeitvertreib. Der Spielwert ist meiner Meinung nach allerdings deutlich geringer als z.B. bei den Lego-Modellen. Aber da bisher keine Mini-Modelle zu Episode III angekündigt sind, und der Jawa Sandcrawler nun wirklich keinen Platz mehr bei mir hätte...
2005-05-31
Unter Beobachtung
Heute wurde es zum ersten Mal so richtig ernst. Ich hatte meinen ersten Unterrichtsbesuch von meinem Fachleiter Informatik. Dieser und weitere Besuche werden die Grundlage für seine Beurteilung meiner Leistung bilden, und dadurch mitentscheiden, ob ich in knapp zwei Jahren Lehrer werde oder nicht.
Im grossen und ganzen ist die Doppelstunde in meinem Leistungskurs passabel verlaufen. Nur leider waren meine Schüler zu gut für mich. Sie sollten sich mit einem Problem beschäftigen, für das ich mir zwei Lösungen überlegt hatte: Eine einfache und eine kompliziertere. Ich war ziemlich sicher, dass sie zunächst die einfache Lösung finden würden, und wir hätten dann den anderen Ansatz im weiteren Verlauf der Stunde erarbeitet. Ich war ganz schön baff, als sofort und zielstrebig die komplizierte Lösung vorgeschlagen wurde und innerhalb weniger Minuten fast vollständig ausgearbeitet war. Ich musste mich echt anstrengen, nicht zu verdutzt zu gucken.
Irgendwie haben wir es dann aber doch geschafft, fast die gesamte restliche Zeit mit sinnvoller Arbeit zu füllen. Die Schüler waren heute aber auch ausnehmend kooperativ, noch mehr, als sie es ohnehin schon sind. In der anschliessenden Besprechung meinte mein Fachleiter, ich hätte mich dadurch schon richtig professionell verhalten, dass ich mich zurückgehalten habe und die Schüler Ideen und Vorschläge untereinander besprechen konnten.
Aber es gab natürlich auch viele Dinge, an denen ich noch arbeiten muss, angefangen bei der Auswahl von Themen und Methoden, über geeigneten Einsatz von Medien, bis hin zu meinem Auftreten (ja, ich weiss, dass ich undeutlich und zu schnell spreche!). Aber die positive Rückmeldung hat mich erstmal etwas beruhigt.
Und weil's soviel Spass gemacht hat, habe ich nächsten Montag gleich den nächsten Unterrichtsbesuch, diesmal im Fach Mathematik. Ich hoffe, es gilt die alte Weisheit (Achtung: RealMedia)...
2005-05-21
Neues Spiel, neues Glück
Zunächst: Herzlich willkommen Vella, die jetzt ihr eigenes Blog hat.
In der vorletzten Woche habe ich zwei Mathe-Veranstaltungen abgeschlossen und mir zwei neue Lerngruppen gesucht. In einer achten Klasse habe ich bisher ein paar Mal beim Bruchrechnen zugesehen, in einer neunten Klasse bin ich relativ schnell bei Wahrscheinlichkeitsrechnung mit eigenem Unterricht eingestiegen. Ich denke, es liegt vor allem an diesem Thema, dass mir die Arbeit im Augenblick leichter fällt als im vorherigen Mathe-Kurs. Naja, am Freitag in der sechsten Stunde war zwar kaum Ruhe in den Haufen zu bringen, aber das kann man der Klasse nicht wirklich übel nehmen. Ich konnte den Gong zum Wochenende ja auch kaum erwarten.
Die spannenden Sachen passieren in den nächsten Wochen: Zunächst lasse ich in Informatik eine Klausur schreiben, bei der ich zum Teil die Aufgaben selber erstellen durfte. Ich bin mal gespannt, ob ich meine Leute über- oder unterfordere. Vor allem merke ich dann, ob die Schüler bei mir was gelernt haben.
Und dann habe ich Ende Mai den ersten Unterrichtsbesuch. Mein Informatik-Fachleiter und meine Hauptseminarleiterin schauen sich eine Doppelstunde Unterricht bei mir an, um mich anschließend auf all die kleinen und großen Fehler hinzuweisen, die ich dabei gemacht habe (um mal den Begriff "in die Pfanne hauen" zu vermeiden). Das Prozedere wird sich dann im Verlauf der Ausbildung noch einige Male wiederholen und letztendlich einen Teil der Abschlussnote ausmachen. Die Idee ist, dass es immer weniger zu kritisieren gibt und man so langsam den Lehrer im Referendar erkennen kann. Das wird ein Spass...
Und die ersten "Verluste" sind auch schon zu beklagen. Ein Kollege aus meinem Hauptseminar, ebenfalls Quereinsteiger, fühlte sich wohl vor allem durch das zweite Fach, das uns ja relativ willkürlich aufgedrückt wurde, überfordert. Er hat leider den Dienst quittiert, was ich irgendwo auch nachvollziehen kann. Ich meine, was qualifiziert mich denn, Mathematik zu unterrichten?
2005-05-04
Stochern im Nebel
Ein Mit-Referendar, der ein Jahr weiter ist, meinte neulich, dass wir gerade die mieseste Phase unserer ganzen Ausbildung durchmachen. Nach den Sommerferien, wenn wir BdU (Bedarfsdeckenden Unterricht, also eigenen, echten Unterricht ohne Begleitung) machen müssen, würde das alles besser werden. Das kann ich nur hoffen...
Im Augenblick hangele ich mich von Stunde zu Stunde, ohne in den einzelnen Fächern einen besonders guten Überblick zu haben. Ich weiss nicht, welche Dinge die Schüler schon wissen (müssten), oder in welcher Zeit welche Lernziele erreicht werden sollen. Die Inhalte in Informatik und Mathematik kenne ich zwar "im Prinzip", aber um fundierten Unterricht darüber machen zu können, bräuchte ich viel mehr Einarbeitungszeit. Didaktische Konzepte für die einelnen Theme kenne ich nicht, und sie werden mir nur recht bruchstückhaft von den Fachlehrern zur Verfügung gestellt. Wer mich kennt weiss, dass das so überhaupt nicht meiner Art zu arbeiten entspricht.
Aber es wäre noch viel zu früh, jetzt schon zu resignieren. Ich hatte ja noch nicht einmal Gelegenheit, irgendjemandem LaTeX statt Word beizubringen. Die Chance warte ich auf alle Fälle noch ab.
2005-04-24
neulich in Bielefeld: Nachtansichten 2005
Siehe auch meinen Bericht zu den Nachtansichten 2006!
Am letzten Samstag fanden in Bielefeld zum vierten Mal die "Nachtansichten" statt, bei denen Museen, Gallerien und Kirchen bis tief in die Nacht geöffnet haben und ein reichhaltiges und buntes Programm darbieten. Mit anderen Worten: Die Gelegenheit, die Kultur, die man in den letzten 364 Tagen verpasst hatet, in einer einzigen Nacht aufzuholen.
Da man unmöglich alles sehen konnte (obwohl die öffentlichen Verkehrsmittel und ein extra eingerichteter Shuttle-Bus im Preis inbegriffen waren), hier die Stationen, die ich mir angesehen habe: Los ging es in Bethel. Im Künstlerhaus Lydda konnte man verschiedene Drucktechniken wie Holz- oder Linolschnitt sehen und vor allem selber ausprobieren (sobald ich die Freigabe habe, kann ich Bilder von gaaanz angestrengt arbeitenden Menschen zeigen). Die ausgestellten Werke, von denen die meisten von in Bethel betreuten Menschen angefertigt wurden, waren unglaublich faszinierend.
Weiter ging es in der Süsterkirche (das ist die zwischen Radio Bielefeld und dem Limmerick). Hier war das Norddeutsche Blechbläserkollegium zu Gast. Tolle Musik, von spitzenmäßigen Instrumentalisten gespielt, und das alles in einem Raum mit genialer Akustik. Was will man mehr? Das letzte Stück trug den Titel "Wenn dein Kind dich morgen fragt...", die Losung des 30. evangelischen Kirchentags im Mai in Hannover. Dahin wird der Papst wohl keinen Abstecher machen...
Danach kam für mich der absolute Tiefpunkt, obwohl es aus Sicht der Veranstalter bestimmt das Highlight war: Die Ausstellung von Not Vital in der Kunsthalle. Abgesehen davon, dass sich die Schickeria von Bielefeld hier sammelte, waren die Exponate ziemlich gewöhnungsbedürftig. Vermutlich bin ich ein zu einfach gestrickter Mensch, aber irgendwie komme ich mir von einem Haufen zertrümmerter Gips-Schädel oder einer schlichten Reihe silberner Kugeln auf dem Fußboden etwas verarscht vor. Wenn mich doch bloß jemand vor dieser Ausstellung gewarnt hätte...
Danach ging es über Naturkunde-Museum und Marienkirche zur Nicolaikirche, in der indische Musik dargeboten wurde. Leider war das Orchester etwas klein (zwei Personen, Sitar und Tabla) und nicht sonderlich indisch. Trotzdem war auch diese Vorstellung wunderschön, was allerdings von einigen der (ansonsten zahlreichen) Zuschauer nicht so gesehen wurde. Einige ergriffen schon nach wenigen Minuten die Flucht, bevor die beiden Künstler auch nur halbwegs loslegen konnten. Indische Musik lehrt vor allem Geduld, eine Tugend, die uns anscheinend verloren gegangen ist.
Abgeschlossen wurde der Abend dann durch einen zweiten Abstecher in die Süsterkirche, wo nun "Brass goes Pop" geboten wurde. Drei Stücke von den Beatles habe ich noch mitbekommen, die vielleicht etwas schmissiger hätten gespielt werden können. Aber das ist vollkommen egal, wenn man den Musikern anmerkt, dass sie mit Freude bei der Sache sind.
Fazit: Ein rundum gelungener Abend. Da es nächstes Jahr bestimmt eine Neuauflage geben wird, kann ich allen die Teilnahme nur dringenst empfehlen.
2005-04-20
No news
... is good news. Zumindest hat man das früher mal in der PPE gelernt.
Inzwischen habe ich in allen drei Klassen/Kursen den Unterricht übernommen, die Arbeit fühlt sich also schon langsam nach "Lehrer-sein" an. Ein paar Vertretungsstunden waren auch schon dabei, d.h. ich war dann mit einer Horde Schüler alleine, ohne dass ein Fachlehrer eingreifen konnte. Meine 5. Klasse, die sonst schon immer recht zappelig ist, war an dem Tag kaum zu bändigen. Da ist man richtig dankbar, dass 45 Minuten relativ schnell vorbei sind.
In Informatik machen wir gerade "Logik", auch wenn die Schüler meinen, das müßte eigentlich "Unlogik" heissen. Und ich hätte nicht erwartet, nochmal den schreiend-lila Umschlag des Oberschelp/Vossen zu Gesicht zu bekommen. Ich rechne lieber nicht nach, wie viele Jahre es schon her ist, dass wir den zusammen mit Gerhard in "Informatik III" durchgenommen haben...
2005-04-08
Und sie sind gestartet...
Jetzt gibt es kein Zurück mehr, das Leben als angehender Lehrer hat endgültig begonnen. Die erste "richtige" Woche an meiner Schule in Steinheim ist um. Zunächst war das Problem zu lösen, passende Klassen oder Kurse zu finden, die man sich ansehen und in denen man irgendwann (in nicht allzu ferner Zukunft) auch selber unterrichten möchte. Ich habe mich für drei Veranstaltungen entschieden:
- einen Leistungskurs Informatik in der 12
- einen Grundkurs Mathematik in der 11
- Mathematik in einer 5. Klasse
2005-04-04
Alles Käse
Ha, jetzt habe ich endlich einen Grund!
Der Käsefinder der CMA kennt 446 verschiedene Käsesorten - aber keinen, der herzhaft im Geschmack ist, einen aromatischen Geruch besitzt, einen weißen Schimmelrasen hat und von weicher Konsistenz ist. Ich brech zwar gleich in die Tastatur, aber das wäre er gewesen, der Käse, dem ich eine Chance gegeben hätte. Tja, Pech.
Ist das nicht eine tolle Ausrede für meine Käseabstinenz? Wenn es jetzt noch sowas für Pilze gäbe...
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