2011-08-30

Die weißen Tauben sind Möwen

Eine der Aufnahmen vom letzten Dümmer-Besuch hat im Sturmmöwe-Blog für ein wenig Begeisterung gesorgt:



Der Ring der anfliegenden Möwe ließ sich nicht mehr wirklich ablesen. Es handelt sich aber nicht um eine Silbermöwe, wie ich vermutet hatte, sondern um eine Steppenmöwe. Die große Möwe links ist eine Heringsmöwe, die große Möwe rechts eine Mittelmeermöwe. Die etwas kleinere Möwe ist eine Lachmöwe. Damit ist das nicht nur eine schöne Sammlung für ein Foto, sondern es sind auch gleich zwei neue Arten dabei, die ich bisher noch nicht fotografiert habe - zumindest nicht bewusst.

Denn das ist das Problem: Ich dachte, ich hätte inzwischen etwas Übung bei der Bestimmung von Möwen bekommen, aber sobald so viele Arten auf einmal anzutreffen sind, mit einigen "Exoten" darunter, komme ich in's ins Schwimmen. Daher hier mal ein paar Bilder von diesem Wochenende, ohne Bestimmungversuche. Wer Spaß hat, kann mir gerne weiterhelfen und per Kommentar Vorschläge machen.

2011-08-21

Dümmer Ost

Der heutige Besuch am Dümmer fing ziemlich mau an, im Ochsenmoor habe ich so gut wie nichts beobachten können. Also bin ich heute mal die Ost-Seite des Dümmer entlang gegangen, was ich sonst sehr selten mache, weil das der touristisch erschlossene Bereich ist. Und hätte ich gewusst, dass letzte Nacht der Dümmerbrand war, und alles voller Bier-, Wurst- und Sonstwas-Buden stand, ich hätte einen riesigen Bogen um die Gegend gemacht. Aber manchmal ist Ignoranz auch eine Gnade, denn mir bot sich ein tolles Schauspiel: Direkt am Hüder Hafen jagte ein Fischadler:



Leider habe ich nicht beobachten können, dass er Erfolg dabei hatte. Den hatte hingegen diese junge Silbermöwe, die etwas weiter nördlich nach Beute tauchte:



Ja, sie hat einen Knochen erwischt. Von wem der wohl stammt? Ich spekuliere ja auf einen Hund, der einem der Touristen weggelaufen und im Dümmer ertrunken ist...

Diese Beute passt dann doch eher zu einem Wasservogel:



Insgesamt tummelten sich diverse Möwenarten in allen Alterstufen am Ufer. Diese junge Silbermöwe ist sogar beringt, allerdings reicht die Auflösung nicht aus, um den Ring sicher abzulesen:



Trotzdem habe ich es mal versucht...

Bei einer anschließenden Fahrt durch den Oppenweher Fledder konnte ich etliche Greifvögel beobachten (fünf Turmfalken, vermutlich einen Baumfalken, eine Rohrweihe). Und eine ganze Reihe Mäusebussarde. Dafür, dass das unser häufigster Greifvogel ist, habe ich ihn bisher sehr selten fotografieren können. Aber heute hat dann doch einer mal lange genug stillgehalten:

2011-07-20

Die kleine Freiheit

Nach der Woche an der Nordsee ging mein Urlaub zu Hause weiter. Am Dümmer und im Oppenweher Moor war zwar auch nicht sooo viel los, aber für ein paar Aufnahmen hat es dann doch gereicht.

Am Dümmer: Ein junger Kiebitz, ein junges Schwarzkehlchen, und die ersten Weißwangengänse haben auch schon wieder vorbeigeschaut:



Nach den vielen Flussseeschwalben an der Nordsee wollte ich doch mal schauen, ob ich nicht ihre Verwandten vor die Linse bekommen kann. Am Dümmer befindet sich eine große Kolonien von Trauerseeschwalben, die leider (für den Fotografen) bzw. zum Glück (für die Tiere) sehr weit von den öffentlichen Wegen entfernt ist. Aber jagende Tiere kann man zum Beispiel über der Seerosenfläche in der Südost-Ecke des Sees beobachten:



Im Oppenweher Moor bzw. Fledder konnte ich diese Vögel fotografieren: Ein Rohrweihen-Weibchen, ein Rebhuhn und einen Neuntöter:



Eine herrliche Erinnerung an meine Kindheit war dann dieser Storch, der in der Nähe der ehemaligen Gaststätte "Summann" in einer Wiese nach Nahrung suchte:



Er hat sogar kurz die restaurierte Nisthilfe ausprobierte, die direkt neben dem Haus steht:



Ach wäre das schön, wenn im nächsten Jahr auch hier ein Paar brüten würde...

Alle diese Aufnahmen habe ich mit dem großen Objektiv gemacht. Dieses Video der Firma lensrentals demonstriert sehr schön, wie unhandlich solche Linsen werden. "Mein" Objektiv wird bei ca. 3:10 Minuten vorgestellt:



Das Problem ist, dass mir die Möglichkeit abhanden gekommen ist, spontan Aufnahmen zu machen, vor allem von scheuen und flinken Tieren, wenn ich unterwegs bin. Ich hatte schon länger überlegt, mir ein etwas kleineres Objektiv für solche Fälle zuzulegen, war aber ziemlich unschlüssig, was ich nehmen sollte. Die Aufnahmen, die ich an der Nordsee mit dem 55-200mm-Objektiv gemacht hatte, brachten dann die Erleuchtung, da sie deutlich besser waren, als ich sie erwartet hätte.

Nikon hat ein relativ neues 55-300mm-Objektiv im Sortiment, das nur unwesentlich größer und schwerer ist - und vor allem erschwinglich (im Vergleich zum 200-400mm sowieso...). Also habe ich es mir kurzentschlossen bestellt. Und beim ersten Test gleich eine für mich neue Art am Obersee fotografieren können: Ein Bluthänflingpaar:



In den nächsten Tagen habe ich an der gleichen Stelle noch weitere Singvögel ablichten können. Einen erwachsenen Stieglitz und einen Jungvogel, eine Goldammer:



Und eine Schwarze Heidelibelle:



Die Bilder sind nicht von überragender Qualität, aber sie reichen vollkommen aus, um die Art sicher bestimmen zu können. Und bei besseren Bedingungen (größere Motive, günstigeres Licht) kommen absolut brauchbare Aufnahmen zustande: Eine junge Nilgans und eine Kanadagans:



Bei der letzten Aufnahme hatte ich beide Objektive dabei, und hier ist die fast gleiche Szene mit dem großen Objektiv aufgenommen:



Klar, man kommt etwas näher heran und ich musste das Bild nicht so stark beschneiden, aber auch die erste Aufnahme geht vollkommen in Ordnung.

Am letzten Sonntag hatte ich dann ein weiteres Motiv für Vergleichsaufnahmen. Bei der Fahrt durch das Oppenweher Bruch entdeckte ich durch Zufall zwei Kraniche. Leider ohne Nachwuchs, der Graureiher hatte sich nur so in's Bild geschummelt:



Ich habe später per Google Maps nachgemessen: Die Entfernung betrug etwa 380 Meter, da war nicht mehr Qualität rauszuholen. Ein 1:1-Ausschnitt sieht so aus:



Mit dem kleinen Objektiv kam das dabei heraus:



Ich konnte während der Aufnahme nicht genau erkennen, worauf sich der Autofokus eingestellt hatte. Das Stroh vor den Kranichen ist deutlich schärfer als die Tiere.

Mein Vater war am gleichen Tag auch unterwegs, und mit seiner Panasonic Lumix DMC-FZ50 hat er diese Aufnahme gemacht:



Auf den ersten Blick nicht schlecht, aber ich finde interessant, wie die Pixel ausfransen und den Eindruck eines Ölgemäldes verursachen, wenn man stark vergrößert.

Ich denke, ich habe im Augenblick eine für mich sinnvolle Kombination gefunden: Mit dem kleinen Objektiv unterwegs schnell reagieren können, und wenn man eine gute Stelle für längere Beobachtungen gefunden hat, auf das große Objektiv mit Stativ wechseln.

2011-06-23

An der Nordseeküste

Früher oder später musste es ja mal passieren: OWL ist mir zum Fotografieren zu klein geworden, und es hat mich in die weite Welt gezogen, um auch mal an anderen Orten andere Vögel beobachten und ablichten zu können. Also war ich letzte Woche für ein paar Tage an der Nordsee. Nach kurzer Suche hatte ich die ideale Ferienwohnung für mich gefunden: Direkt am Deich bei der Hamburger Hallig gelegen, mit den beiden Rast- und Brutgebieten "Hauke-Haien-Koog" im Norden und "Beltringharder Koog" im Süden. Einziges Manko war der Termin: Zu fast keiner Zeit im Jahr sind so wenige Vögel an der Nordsee wie Mitte Juni. Aber es passte mir gerade, ich wollte nicht in die Feriensaison geraten, und überhaupt wollte ich diese Form von Urlaub nur mal kurz antesten.

Und selbst zu dieser Zeit ist an der Nordsee noch viel los, und etliche Arten, die zu Hause überhaupt nicht vorkommen oder absolute Seltenheiten sind, trifft man dort an jeder Ecke. Unmittelbar nach meiner Ankunft bin ich den Fußweg zur Hamburger Hallig gegangen. Es wimmelte nur so von Austernfischern



(dieser schützt gerade seinen Nachwuchs) und Rotschenkeln



Am ersten Abend bin ich dann nochmal am Deich entlang gegangen, erst auf der Meer-, dann auf der Landseite. Ich hatte nur meine alte Kamera mit einem Spielzeug-Objektiv dabei. Immerhin hat es gereicht, um diese Flussseeschwalbe festzuhalten, die plötzlich an mir vorbeizog:



In unserer Gegend kann man mit etwas Glück an der Weser diese Art beobachten, daher war ich ziemlich begeistert, sie "einfach so" aus nächster Nähe beobachten zu können. Ich hatte ja noch keine Ahnung...

Am nächsten Morgen konnte ich am Hauke-Haien-Koog balzende Kampfläufer beobachten, leider sehr weit weg:



Der folgende Tag war für eine Exkursion auf die Hallig Hooge reserviert. Los ging es mit der Fähre "Hilligenlei" vom Hafen Schlüttsiel:



Am Hafen wimmelte es nur so von Möwen, die vermutlich im aufgewühlten Fahrwasser der Schiffe auf Beute spekulierten. Silbermöwe (links, hell) und Heringsmöwe (rechts, dunkel):



und die sehr seltene Löffel-Bisquit-Möwe:



Okay, doch nur eine Lachmöwe, die tolle Beute gemacht hatte. Während der Überfahrt wurde die Fähre noch lange von einem Schwarm verfolgt, und da gesellten sich dann auch noch Sturmmöwen dazu:



Auch hier hatte ich aus Gewichtsgründen nur wieder das kleine Objektiv dabei, aber die Vögel flogen so dicht heran, dass sie mehr als Formatfüllend wurden:



Aber neben den Möwen tummelten sich auch hier jede Menge Flussseeschwalben, die ebenfalls so nahe herankamen, dass man sie fast anfassen konnte:



Bei diesem Tier könnte es sich eventuell sogar um eine Küstenseeschwalbe handeln, wofür der rein orange Schnabel ohne dunkle Spitze ein Indiz wäre:



Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt näherten wir uns der Hallig



die die Gäste freundlich begrüßte



um gleich darauf den "Hallig-Taler", einen Euro Kur-Taxe, zu kassieren. Dafür, dass ich mir dann auf der Hallig einen tierischen Sonnenbrand geholt habe, sollte ich mein Geld zurückverlangen...

Auf Hooge kann man auch etliche Vogel-Arten beobachten, und aufgrund der räumlichen Enge und der Vielzahl an Tagesgästen, kommt man teilweise sehr nahe an die Tiere heran. Fotografieren konnte ich eine Feldlerche



einen jungen Star



Eiderenten mit Nachwuchs



einen jungen Austernfischer



einen Sandregenpfeifer (der mit einem Partner sein Revier verteidigte)



und einen Wiesenpieper



Und auch hier gab es wieder reichlich Flussseeschwalben, diese hier ist sogar beringt:



Eigentlich sollten die sich inzwischen an die Menschen gewöhnt haben, trotzdem hat es schon leicht was von einem Hitchcock-Film, wenn so ein Vogel auf einen zufliegt und seinen Scheinangriff erst im letzten Moment abbricht.

Natürlich gibt es auch touristisch viel zu sehen, wofür ich mir aber kaum Zeit genommen habe. Lediglich diesen knallbunten Krabbenkutter fand ich ganz nett



nicht zuletzt wegen dieses plattdeutschen Spruchs über der Brücke



Update: Ich wurde darauf hingewiesen, dass dieser Spruch auch in der Ballade "Pidder Lüng" von Detlev von Liliencron vorkommt, die u.a. von Achim Reichel aufgenommen wurde. Laut Wikipedia findet sich der Spruch auch im nordfriesischen Wappen (er ist also technisch "friesisch" und nicht "plattdeutsch", auch wenn das allen Leuten südlich von Bielefeld ziemlich egal sein dürfte). Allerdings ist mir nicht ganz klar, was von beiden zuerst da war.

Der letzte Tag war dann wieder der Fotografie mit der großen Linse vorbehalten. Zunächst wollte ich am Hauke-Haien-Koog nachschauen, ob ich noch die Streifengänse wiederfinde, die ich zwei Tage zuvor gesehen hatte. Ja, konnte ich:



Als kleine Kuriosität fand sich unter den vielen Graugänsen dann dieser Mischling mit einem deutlichen Einschlag von Hausgans:



Ob er vielleicht mit dieser Gans verwandt ist, die ich schon in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mehrfach am Dümmer beobachten konnte?

Am Beltringharder Koog konnte ich dann nochmals Austernfischer



und Rotschenkel



fotografieren. Einen Säbelschnäbler hatte ich zwar auch schon auf Hooge vorbeifliegen sehen, aber hier kam ich endlich auf Foto-Entfernung heran:



Am Beltringharder Koog gibt es auch einige Beobachtungshütten. Als ich die Aussichtsluke in einer davon aufmachte, fauchte mich ein Höckerschwan an, der mit Nachwuchs unmittelbar davor saß. Ich dachte noch "man, sind die Schwanen-Küken hier aber dunkel". Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass es sich um vier junge Graugänse handelte, die ganz offensichtlich von einem Schwanen-Paar adoptiert wurden:



Die letzte Station war dann die Arlau-Schleuse, wo in wenigen Metern Entfernung ein Schilfrohrsänger posierte:



Der absolute Knüller kam dann aber zum Schluss:



Ein Seidenreiher! Der wird zwar in der Gegend immer mal wieder beobachtet, trotzdem ist das eine sehr seltene Art.

Alles in allem hat mir der Urlaub sehr gut gefallen, und ich werde bestimmt zu einer besseren Jahreszeit nochmal dort hinfahren und mir dann mehr als vier Tage Zeit nehmen. Als Vorbereitung, um die Gegend kennenzulernen, war die knappe Woche genau richtig.